Anforderungen sind tot, es lebe das Produkt!


Silvio Moser, CTO

Im 2015 haben wir proklamiert, dass Requirements Engineering tot sei. Gute Anforderungen sind zwar immer noch wichtig, doch steht immer mehr die Frage im Zentrum wie man gute Ideen (schnell) in grossartige Produkte umsetzt. Mit Product Engineering (PE) steht nun der Nachfolger für den verwaisten Thron fest. 

Fokus auf Anforderungen oder das Produkt?

Unterdessen hat sich die Welt ein paarmal weitergedreht. Gemäss der SwissQ Trends und Benchmark Studie verfolgen nur noch 6% den Wasserfall. Damit geht auch der Fokus auf Anforderungen (in der Konzeptphase) verloren. Agil hat sich durchgesetzt und wird in 40 % der Fälle angewandt. Im Agilen geht der Fokus weg von den Anforderungen hin zum Produkt: siehe Product Owner, Product Backlog, usw. In der Praxis wird Agile sehr oft als Hybrid mit einem Phasenmodell kombiniert, z.B. gilt es im öffentlichen Bereich Hermes zu befolgen und mit Ausschreibungen zu arbeiten. Hier liegt der Fokus zu Beginn immer noch auf den Anforderungen und ändert sich dann erst im Verlauf des Vorhaben auf das Produkt.

Hybrid ist nicht gleich Hybrid

Es gibt viele Wege wie man Wasserfall und Agil kombinieren kann. Leider nicht immer zum Besten.

Hybrid: The Bad, the Ugly, and the Good
Hybrid: The Bad, the Ugly and the Good (Quelle: SwissQ)

The Bad: hier handelt es sich um einen klassischen Wasserfall. In der Discovery Phase (der Initialisierung) erforschen wir, was wir eigentlich tun wollen und wieso. Darauf folgt das Design (Konzeption). Erst in der Delivery Phase (Realisierung) wird es agil, typischerweise mit agilen Entwicklerteams. Es folgt eine separate Test Phase. Nicht wirklich sehr agil.

The Ugly: besser als «Bad» aber immer noch nicht schön. Wieder beginnen wir mit der Discovery Phase. Danach werden Design und Delivery vereint und das Produkt wird auf agile Weise erarbeitet. Hier kommt die Agilität nun wirklich zum Zug, da nicht ein fertiges Konzept vorgelegt wird, sondern Anforderungen priorisiert und (hoffentlich) «Just-in-time» spezifiziert, umgesetzt und validiert werden. Leider gibt es immer noch eine separate Test Phase und ein einziges Produkt Inkrement. Aus Sicht Kunde also immer noch sehr träge.

The Good: Wir müssen immer noch das Problem verstehen und Discovery betreiben, am besten gemeinsam mit dem Kunden, gehen aber relativ schnell in die nächste Phase über. Agil vereinen wir Design, Delivery und Test. Built-in Quality erhält einen hohen Stellenwert. Dies führt dazu, dass regelmässig wertgenerierende Produkt Inkremente geliefert werden. Parallel dazu werden weiterhin Kundenbedürfnisse entdeckt (Discovery). Das Produkt wird beständig weiterentwickelt und adaptiert.

Von «Flat Earth» zu facettenreich

Betrachten wir die Anforderungswelt als flache Erde. Wir betreiben Business Analyse, um Organisationen und Prozesse zu verstehen, wir erheben, dokumentieren und verwalten Anforderungen im Requirements Engineering und designen (gestalten) Lösungen.

Es passiert aber noch viel mehr im PoRe Universum und es braucht (immer mehr) die Symbiose unterschiedlicher Disziplinen, sodass ein grossartiges Produkt entsteht. In der Praxis werden diese Disziplinen oft in eigenen «Silos» gebündelt (z.B. Prozessmanagement oder UX) mit eigenen Prozessen und losgelösten Ergebnissen. Auch wenn jeder nur das Beste will, gibt es am Ende ein «Chrüsimüsi» und vieles ist widersprüchlich oder versandet.

Product Cube
Product Cube: Nutzer und Produkt ins Zentrum stellen (Quelle: SwissQ)

Der Product Cube veranschaulicht, dass die notwendigen Fähigkeiten kombiniert werden müssen. Dadurch ergeben sich neue Facetten. Auf der einen Seite wird mit User/Customer Centricity der Fokus auf den Benutzer gelegt, auf der anderen mit Product Thinking auf das Produkt.

Talent statt Titel

Damit dies erfolgreich ist, müssen wir uns von den fixen Funktionen wir RE, BA oder UX Designer lösen. Sorry HR. Wir bringen die Personen mit den richtigen und wichtigen Skills in einem Product Team zusammen und überlassen es dem Team wie sie ihre Stärken am besten kombinieren. Wenn alles gut geht, lernen die Teammitglieder voneinander und sind bald T- oder sogar M-Shaped.  

Product Engineering Framework

In diesem Sinne sprechen wir nicht mehr von Requirements Engineering sondern von Product Engineering (PE). Das PE Framework betrachtet den gesamten Wertstrom (Value Stream) von der Vision zur User Story. In kleinen Inkrementen mit kurzen Feedbackschlaufen entstehen aus guten Ideen grossartige Produkte. Dabei fliessen Discovery, Design und Delivery kontinuierlich ineinander über. 

Fazit

Zusammenfassend möchten ich wir euch 3 Tipps mit auf den Weg geben:

  • Stelle das Produkt ins Zentrum, nicht die Anforderungen
  • Für die Entstehung eines Produktes braucht es viele unterschiedliche Fähigkeiten
  • Vereine diese Fähigkeiten in einem multidisziplinären Team

Haben wir euer Interesse geweckt? Hier kannst du das Product Engineering Poster bestellen. Gerne stellen wir das Framework auch bei dir im Unternehmen vor und diskutieren mit euch über Erfolgsfaktoren und Stolpersteine auf dem Weg zum erfolgreichen Product Team.

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