Der Test Manager ist tot, lang lebe der Test Master


Marcel Stoop, Managing Consultant

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Der Test Manager muss sich weiterentwickeln, will er nicht vom Tiger gebissen werden

Am 19.03.2014 war es wieder so weit. Swiss Testing Day. Einer der grössten Test-Conferences in Europa feierte an diesem Tag sein 9. „Jubiläum“. Als Senior Consultant von SwissQ konnte ich einige Präsentationen beiwohnen. Wie zu erwarten, gab es dieses Jahr wieder viele Beiträge die als Thema Agilität hatten. Auch Silvio Moser, CTO SwissQ, hat dieses Jahr einen Beitrag im agilen Umfeld beigesteuert. Mit seinem Referat, mit dem doch ziemlich provokativen Titel „Der Test Manager ist tot, lang lebe der Test Master“, hat er sich einen spezifischen Bereich der Agilität ausgesucht: der Test Manager. Sein Referat thematisiert den Wandel, dem sich die heutigen Testmanager stellen müssen. Meiner Meinung nach hat Silvio Moser genau das richtige Thema gewählt. In den vergangenen Jahren hat man viel referiert über agile Prozesse, wie man das Testing innerhalb des agilen Vorgehensmodells gestallten soll und wo die Herausforderungen in der agilen Entwicklung liegen. Aber der Test Manager wurde niemals thematisiert, obwohl dieser doch eine zentrale Rolle in der Qualitätssicherung einnimmt.

 

Der Testmanager 2.0

Das Silvio Moser mit diesem Thema „gold“-richtig lag, zeigte sich an der Zuhörerpräsenz.
Der Saal war sehr gut gefüllt, was auf ein reges Interesse für dieses Thema schliessen lässt.
Silvio Moser hatte das Ziel, ein neues Bild des Test Managers zu kreieren, der sich dem Trend zur Agilität anschliesst. Der Test Manager der mit Excel-Sheets, Testmanagement Tools, statistischen Testauswertungen und Top-Down kommunizierten Testkonzepten und Teststrategien jongliert, will nicht mehr so recht in das heutige Umfeld passen. Besonders in einer Organisation, die den Wandel zum agilen Software Development – Stichwort Scrum – eingeschlagen hat. Der moderne Test Manager sollte sich nicht mehr als Verwalter und Administrator von definierten Testprozessen und Teststrategien sehen, sondern eher als agiler Virtuose in der Qualitätssicherung.

Schon nach den ersten Slides meinte ich, bei einigen Zuhörern ein leichtes Unbehagen wahrzunehmen:

„Werde ich als Test Manager jetzt tatsächlich wegrationalisiert und durch einen Art Merlin ersetzt?“

In der heutigen Zeit, wo immer mehr auf Agilität gesetzt wird, sollte man vermehrt die Komplexität aus Prozessen rausnehmen und diese in die gesteigerten Fähigkeiten des Embedded Testers umwandeln. In dem Sinne sollte der Test Master nur noch das machen, wozu das Scrum-Team oder der Embedded Tester nicht mehr in der Lage ist. Hierbei geht es vor allem um teamübergreifende Testaktivitäten wie z.B. End-To-End Tests.

Der Embedded Tester nimmt innerhalb des Scrum-Teams schon jetzt eine zentrale Position bezüglich Testing ein. Er kommuniziert mit den Entwicklern auf direktem Wege über Testqualität, gefundene Bugs und die spezifische Teststrategie die angewendet werden soll. Er plant seine Tests und stellt sicher, dass diese termingerecht ausgeführt werden. In diesem Sinne hat der Embedded Tester schon einen Teil der Test Manager Rolle inne.

Ich sehe jetzt zwei Zuhörer, die mit dem Smartphone in der Hand sehr schnell den Saal verlassen. Ich vermute mal, dass sie mit ihren Vorgesetzten Kontakt aufnehmen und zur Sicherheit kurz nachfragen, ob ihre Rolle als Test Manager noch immer existiert.

Scrum, muss das jetzt wirklich sein?

Ich muss ehrlich sein, vor einigen Jahren hatte auch ich meine liebe Mühe mit dem Thema Agilität und Scrum: “Wenn die Entwickler unbedingt wollen, sollten sie doch ihre Arbeit nach Scrum organisieren. Aber lass uns Tester und Test Manager doch bitte unsere Arbeit und unsere Rollen so organisieren, wie wir das schon seit eh und je machen und darin erfolgreich sind“. Lee Copeland nennt es: „The Curse of Past Successes“. „Processes that made us successful in the past may prevent us from being successful in the future.“ Wir, die in der Qualitätssicherung tätig sind, müssen uns ändern und Wege finden wie wir als Sicherheitsnetz der Entwicklung innerhalb der agilen Welt erfolgreich bleiben.

Dabei spielt noch etwas anderes mit. Wir Tester und Test Manager müssen akzeptieren, dass wir am Ende der Nahrungskette stehen. Wenn der Tiger schneller wird, muss der Hirsch schlauer werden. Die Entwicklungsabteilung gibt den Takt an, so war es früher und so wird es auch immer bleiben. Entweder ändern wir uns als Tester und als Test Manager, oder wir enden, gefangen in unsere traditionellen Rollenauffassung bezüglich Testing und Testmanagement in Madame Tussauds.

Die Evolution geht weiter

Voll Spannung erwarteten die Zuhörer die wichtigsten Slides aus dem Referat von Silvio Moser: Was sind jetzt die Unterschiede zwischen dem traditionellen Test Manager und dem Test Master, und was sind seine Kernaufgaben?

Managing-vs-mastering
Duties-Test-Master

Einige Zuhörer zückten sofort ihre Schreibblöcke und schrieben bei den beiden präsentierten Slides fleissig mit. Zugleich meinte ich meinem Sitznachbar denken hören:

„Passe ich in das neue Berufsbild rein?“

Und genau das ist der Punkt. Die Entwicklungswelt ist im Begriff, sich Richtung Agilität zu ändern. Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir uns anpassen können und was es noch zusätzlich braucht, damit wir fit sind für die nächste Entwicklung im Testbereich. Diese „Evolution“ wird nicht von heute auf morgen stattfinden, aber dass es stattfinden wird, ist sicher. Jetzt geht es nur noch darum, dass wir die verbleibende Zeit nutzen und Klarheit verschaffen, wie wir unsere Rolle als Tester und Test Manager innerhalb der agilen Welt sehen und wie wir diese, so optimal wie möglich ausfüllen können.

In Gesprächen, die ich mit einigen Zuhörern geführt habe, gab es nicht nur positives Feedback, sondern auch kritische Kommentare:

  • Wieso sollte jetzt wieder eine neue Rolle eingeführt werden?
  • Der Test Manager kann doch als „Titel“ einfach weiterleben. Man braucht nur den Inhalt seiner Rolle zu ändern.

Dieser Einwand tönt sehr logisch und ist teilweise nachvollziehbar. Was aber dabei vergessen geht ist, dass es wichtig ist, bei der Einführung von neuen Vorgehensweisen keine Begriffsverwirrungen bezüglich Rollen entsteht zu lassen. So wird der Test Manager als Rolle eher mit der traditionellen Vorgehensweise wie Wasserfall und V-Modell assoziiert. Der Test Master könnte das Pendant für die agile Vorgehensweise werden. So wie auch der Scrum Master und der Embedded Tester eindeutig mit agilen Vorgehensweisen identifiziert werden. Meiner Meinung nach, werden in Zukunft Test Manager und Test Master beide als Rolle nebeneinander existieren. Der Eine im traditionellen Umfeld, der Andere eher im agilen Umfeld.

Surfen lernen

Abschliessend möchte ich erwähnen, dass wir uns bewusst sein müssen, dass es Veränderungen schon immer gab. Neu ist nur die Geschwindigkeit und das komplexer gewordene Umfeld. Hier sehe ich aber eine Aufgabe für das Firmen Management, seinen Mitarbeitenden den Sinn dieser kommenden Änderungen aufzuzeigen und sie in dieser Rollenänderung zu unterstützen und begleiten.

Das Konzept vom Test Master, wie Silvio Moser uns das präsentiert hat, gibt uns Halt und Orientierung wie wir unsere neue Rolle im agilen Umfeld gestalten können.

You can’t do anything against the waves – but you can learn to surf.
(Zitat aus: „Den Wandel in Organisationen motivierend gestalten“, Referat Prof. Dr. Eric Lippmann, Swiss Testing Day 19.03.2014)

Agile Testing Poster

Die Einbettung vom Test Master wird im Agile Framework (entwickelt von SwissQ) deutlich dargestellt.

Plakat_AgileTestingFramework_WEB-300x236

Der Poster kann man unter: Poster Agile Framework bestellen.

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2 thoughts on “Der Test Manager ist tot, lang lebe der Test Master”


  • martin.emmler@t-online.de' Martin Emmler says:

    Im Vortrag im ASQF Net wurde drauf hingewiesen, dass es den Testmanager weiterhin geben muss. Der Test-Master ist eine Fortführung für ein großes Agiles Tester Framework von über 80 MItarbeitern…

  • Marcel Stoop says:

    Ich denke es geht um 2 Sachen: Einfüllung der Test-Master Rolle und Einfüllung der Testmanager Rolle. Schlussendlich wie die Rolle heisst ist weniger wichtig. Die Rolle Beschreibung muss deutlich sein und von jedem verstanden und akzeptiert werden und natürlich passend sein für das hantierte Modell: Traditionell oder Agile
    Ein 2. Punkt ist das Modell worin man arbeitet. Arbeitet man in einem Agilen Umfeld, würde ich persönlich eher der Begriff Testmaster verwenden. Mit diesem Begriff grenzt man sich meiner Meinung eher ab von der traditionellen Welt wo der Begriff Testmanager sehr prägend ist. Wir wollen ja innerhalb der Agilität eine etwas andere Einfüllung als die des traditionellen Testmanager. Das bewirkt man am besten wenn man den Namen schon mal ändert in Test-Master. Aber dann sind wir wieder beim ersten Punkt: die tatsächliche Einfüllung der Rolle ist am wichtigsten, egal wie sie genannt wird.
    In dem von Ihnen erwähnten Aufbau (agile, 80 Mitarbeiter) würde ich eher folgende Rolle Namen verwenden. Anstatt mehrere einzelne Testmanager würde ich diese Test-Master nennen. Anstatt Test-Master, würde ich die eine Person die diese Rolle hat eher Test-Verantwortlicher nennen. Je nach Interprätation könnte man es auch umdrehen: mehrer Testverantwortlicher und 1 Test-Master.

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