Das Produktziel – Wie Product Owner Ziele erreichen


Patrick Bucheli, Head Product Engineering

Seit November 2020 sind im Scrum Guide die Produktziele als Commitment für das Produkt Backlog definiert. Schonmal Gedanken dazu gemacht?

Wie gehst Du am Besten damit um und wie integrierst Du als Product Owner (PO) diese gewinnbringend in dein laufendes Vorhaben? Korrekt! Es gibt ein paar Dinge zu berücksichtigen, die ich hier gerne erläutere, um die Implementation des Produktziels zu vereinfachen.

Das Produktziel 

Produktziele selbst sind ein wichtiges Instrument für den Product Owner, damit man nebst der kurzfristigen auch eine längerfristige Perspektive einnimmt. In der Praxis sehen wir immer wieder, dass die Sprints teilweise zwar gut geplant sind, doch eine längerfristige Perspektive des Produktes fehlt. Viel zu häufig wird nur von Sprint zu Sprint gedacht ohne sich zu überlegen, welches Ziel wir in drei, vier, sechs Monaten erreichen wollen.

Seit Jahren gehören Ziele bereits zum Lehrplan von IREB. Die Aufnahme der Produktziele im Scrum Guide unterstreicht deren Wichtigkeit auch im Scrum-Umfeld, dies weil sie neu nicht nur aus der Sicht von Requirements, sondern auch aus der Perspektive des Produkts erläutert sind. Das Produktziel schliesst dabei die Lücke zwischen der Produktvision und den für die Umsetzung relevanten Backlog-Items wie Epics, Features oder User Storys. Dabei deckt das Produktziel im Vergleich zum Sprint-Ziel einen längeren Zeithorizont ab.

Erfahrungsgemäss helfen Ziele Orientierung zu schaffen, doch haben sie noch viele weitere Vorteile, welche so nicht im Scrum-Guide stehen.

So unterstützt das Produktziel…

  • … bei der Erweiterung des zeitlichen Denkhorizonts des POs
  • … Diskussionen, um technische Backlog Items oder Enabler zu verhindern, solange
        sie zur Erreichung des Produktziels beitragen
  • … dem Team einen Purpose zu geben
  • … Raum für Innovation zu kreieren
  • … Inspiration für Lösungsideen zu finden  

Der Scrum Guide und das Produktziel

Doch was sagt der Scrum Guide zum Umgang mit dem Produktziel? Hierzu eine Grafik als vereinfachte Zusammenfassung des Scrum Guide.

Produktziel
Produktziel gem. Scrum Guide (Quelle: Scrum Guide)

Das Produktziel als Chance im laufenden Vorhaben 

Mit grosser Wahrscheinlichkeit arbeitest Du bereits auf einem laufenden Vorhaben und verfügst über ein bestehendes Backlog. Die erste Option wäre es also das Backlog zu analysieren und ein entsprechendes Ziel, zu welchem die Backlog Items der nächsten Sprints passen, zu definieren. (Bottom-Up) 

Die Implementierung eines Produktziels bietet allerdings auch die Chance die aktuelle Situation um das Backlog zu reflektieren und die aktuelle Priorisierung zu hinterfragen, indem Du das Produktziel unabhängig des Produkt Backlogs definierst & formulierst. 

Hierfür bedarf es nach der Formulierung des Produktziels einer entsprechenden Analyse des aktuellen Produkt Backlogs, bevor die relevanten Backlog Items dem Ziel zugeordnet und repriorisiert werden. Dies mit der Absicht, das Produktziel mit dem Produkt Backlog in Einklang zu bringen. 

Produkt Ziel
Einklang von Produktziel &. Produkt Backlog (Quelle: SwissQ)

Die Zielformulierung

Der Klassiker unter den Zielformulierungen ist S.M.A.R.T., eine zweite Option bietet 
P-A-M (Purpose – Advantage – Measurement). Zu beiden muss ich an der Stelle wohl nicht mehr viel sagen, den insbesondere SMART kennen wohl die meisten. Doch obwohl in beiden Formeln die «Messbarkeit» vertreten ist, wird die Erreichung des Ziels nur selten gemessen. In meinen Augen eine Tendenz, die es dringend zu durchbrechen gilt. Denn definierte Messkriterien, welche nicht gemessen werden, sind «Waste». Und den gilt es bekanntlich zu reduzieren.

Mein Tipp: Investiere deine Energie / Gedanken in die Messung / Erreichung der Ziele und nicht ausschliesslich in die Definition der Messkriterien. Dies ermöglicht es Dir nicht erreichte Ziele zu analysieren und entsprechende Massnahmen zur Verbesserung abzuleiten. 

Doch Moment! Warum sind SMARTE Ziele so wichtig?

Die Wichtigkeit von SMARTEN Produktzielen

Wer sich Ziele setzt, möchte diese auch erreichen, dass kennst Du sicher auch aus Deinem privaten / sportlichen Umfeld. Doch warum ist dem so? Die Antwort dazu habe ich in meiner privaten Sammlung von Triathlon Magazinen gefunden. Denn nicht nur im geschäftlichen, sondern auch im privaten / sportlichen Umfeld setzen wir uns immer wieder Ziele, die wir alleine oder im Team erreichen wollen. Diese haben in der Regel eine grosse Auswirkung auf unsere intrinsische Motivation.

Wie funktioniert dies also mit der Motivation und den Zielen?

Ein Ziel zu haben, motiviert uns Menschen. Wir strengen uns mehr an und erbringen durch das auch bessere Leistungen. Diese wiederum führen zu einem positiven Gefühl und motivieren uns Menschen noch mehr. Insbesondere dann, wenn wir unsere Ziele erreichen! Siehe Grafik. 

Nutze dieses positive Gefühl und feiere die Erfolge gemeinsam mit dem Team, um zeitgleich auch für das nächste Product – Ziel zu motivieren.

Motivationszyklus (Quelle.TriMag.de, Triathlon, Ausgabe 188)

Produktziele müssen gelebt werden

Mit der Formulierung eines Produktziels ist die Arbeit jedoch nicht getan. Mindestens genauso wichtig ist die Kommunikation gegenüber dem Team, den Nutzern aber auch den weiteren Stakeholdern. Hierfür sieht Scrum einerseits die Platzierung des Produktziels im Backlog vor (hoffen wir die Toolhersteller ziehen bald nach) und andererseits wird die Wichtigkeit der einzelnen Backlog Items für das Produktziel im Planning-Event integriert. 
Des Weiteren werden auch in der Sprint-Review die Fortschritte in Richtung Produktziel kommuniziert. 

Selbstverständlich gibt es unendlich viele Möglichkeiten das Produktziel zu promoten. Ich an Deiner Stelle würde insbesondere bei neuen Ideen / Feedback, den Beitrag zur Zielerreichung konsequent ansprechen, so dass auch die Erreichung und Wichtigkeit des Produktziels im Vorhaben seitens Team & Stakeholder deutlich wird.

Jetzt liegt es an Dir, die Vorteile von Produktzielen zu integrieren und in die Tat umzusetzen. Ich wünsche Dir viel Erfolg.

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