Trends & Benchmarks Report 2020 – Testing ist noch immer eine wichtige Tätigkeit


Marcel Stoop, Managing Consultant

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Bereits zum 12ten Mal hat SwissQ im 2020 den Trends und Benchmarks Report publiziert. Die Studie beleuchtet verschiedene Aspekte welche zur erfolgreichen Entwicklung digitaler Produkte beitragen, basierend auf einer Umfrage an der fast 500 Personen aus unterschiedlichen Firmen und Branchen teilgenommen haben. Aufgeteilt in die Themen Transformation, Agile, Product Engineering und Testing enthält er wieder interessante Einblicke, was die Schweizer Unternehmen in diesen Disziplinen bewegt.

So stellt sich zum Beispiel die Frage, ob mit den Trends in Richtung DevOps, Automatisierung und KI (künstliche Intelligenz) die Disziplin Testing noch immer einen wichtigen Platz in der Organisation einnimmt oder ob dieser eher – je länger je mehr – wegfällt. Um es schon mal vorwegzunehmen: Das manuelle Testing spielt gemäss T&B-Report noch immer eine sehr wichtige Rolle. Dies ist auch nachvollziehbar, da die Kreativität der Tester in der Fehlersuche nicht zu ersetzen ist.

Testen ja, aber…

Obwohl das Testing nach wie vor als eine sehr wichtige Tätigkeit gesehen wird, ist es erstaunlich, dass nur 49.6% zufrieden bis sehr zufrieden sind mit den Testaktivitäten. Demzufolge sind 50.4% nicht bis nur mässig zufrieden.

SwissQ Consulting AG Trends und Benchmarks 2020 Roles

Copyright SwissQ Consulting AG Trends und Benchmarks 2020

Die Ursache für die zurückhaltende Zufriedenheit zu finden, ist eher schwierig, da diese von Organisation zu Organisation sehr unterschiedlich sein kann. Persönlich denke ich, dass die zurückhaltende Zufriedenheit zwei Ursachen haben könnte:

Cross-Functional Roles

SwissQ Trends und Benchmarks 2020 Roles

Copyright SwissQ Consulting AG Trends und Benchmarks 2020

In vielen Projekten sehe ich immer wieder – und dies wird auch durch den T&B-Report bestätigt – dass es den «reinen» Tester oft nicht mehr gibt. Der Business Analyst, der in einer ersten Phase die User Stories erstellt hat, wird in der nachfolgenden Phase auch die Testaktivitäten ausführen. Der Fachspezialist soll mit seiner Fachexpertise auch das Testing unterstützen.

Diese Doppelbelastung und die eventuell zurückbleibende Testqualität, kann dann, verständlicher-weise, zu einer gewissen Unzufriedenheit führen. Genau aus diesem Grund plädiere ich dafür, dass man wieder vermehrt in Testspezialisten investiert.
Anderseits kann man durch «Cross-Functional Roles» von schon vorhandener Expertise Gebrauch machen und nebenbei die Testkosten ein wenig runterdrücken. Und damit sind wir beim zweiten möglichen Grund:

Testkosten

In der Wahrnehmung vieler werden die Testkosten als eher hoch empfunden. Die Auswirkung davon lässt sich mit dem T&B-Report möglicherweise darlegen: Der Aufwand für das Testing geht leicht zurück. Sobald man aber anfangen würde, die gefundenen Fehler als zukünftig verhinderte Zusatzkosten zu betrachten und diese Kosten zu quantifizieren, würden die Testkosten wahrscheinlich anders wahrgenommen werden.

Eine andere Möglichkeit die Testkosten zu entschärfen, liegt in der Anwendung eines anderen Testansatzes, der unabhängig vom verwendeten Entwicklungsmodell (traditionell oder agile) angewendet werden kann: Value Driven Testing. Ich habe dazu diesen Blog geschrieben.

Erfolgsfaktoren

Damit die Testaktivitäten auch tatsächlich erfolgreich sind, müssen gemäss T&B-Report gewisse Erfolgsfaktoren beachtet werden. Die Wichtigsten sind:

  • Close Collaboration with Development
  • Early Involvement
  • Good Requirements

Da der Trend im Testing auch dieses Jahr wieder vermehrt in Richtung Agilität zeigt, ist die Nennung der oben genannten drei Erfolgsfaktoren deutlich. Alle drei Erfolgsfaktoren weisen in die Richtung eines Prinzips, das in der Agilität grosse Bekanntheit hat: «Power of Three», auch bekannt als «Tres Amigos».

Die Erfahrung lehrt aber, dass viele Organisationen noch niemals davon gehört haben oder sich sehr schwer tun, dies im Projektalltag umzusetzen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Umsetzung vom «Power of Three»-Prinzip (Hand in Hand Zusammenarbeit zwischen Testing, Business und Entwicklung) ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor ist, dem man leider noch immer viel zu wenig Beachtung schenkt. In dem Sinne erstaunt es nicht, dass gemäss T&B Report auch der «Definition of Ready» (DoR) viel zu wenig verwendet wird (59.2%).

SwissQ Consulting AG Trends und Benchmarks 2020 Agile Practices

Copyright SwissQ Consulting AG Trends und Benchmarks 2020

Anders gesagt: Damit die oben erwähnten drei Erfolgsfaktoren auch tatsächlich gelebt werden können, sollte man dem «Power of Three»-Prinzip auch tatsächlich Raum geben und damit der «DoR» einen prominenteren Platz einräumen.

Vertrauen in die eigene Testfähigkeit ist tief

Gemäss T&B-Report haben nur 31.8% ein grosses Vertrauen in die eigenen organisatorischen Testfähigkeiten. Aber der Kunde ist, nach dem Deployment, zufrieden mit der Qualität. Das bedeutet, dass es eine Diskrepanz gibt zwischen vermuteter Testqualität und der tatsächlich wahrgenommenen Testqualität.

Man könnte behaupten, dass die Kunden viel weniger kritisch sind als die «Produzenten» von Software. Persönlich denke ich, dass diese Behauptung nicht korrekt ist.

Ich denke, dass das Problem vor allem in der Intransparenz der Testaktivitäten liegt. Innerhalb einer Organisation kann wahrscheinlich nicht jeder genau erklären, was die Testaktivitäten beinhalten, wie der Testprozess aussieht und welche Teststrategie umgesetzt wird. Wären diese Testaktivitäten viel transparenter, hätte man wahrscheinlich ein viel grösseres Vertrauen in die eigenen Testaktivitäten. Das was man nicht genau versteht, beachtet man mit Argwohn!

Wir sollten aktiv dazu beitragen, dass Transparenz hinsichtlich den Testaktivitäten entsteht. Das heisst innerhalb der Organisation kommunizieren was wir genau machen, wo die Probleme sind und wo wir gewisse Abhängigkeiten haben. Wir könnten zum Beispiel Brown-Bag Lunches organisieren, bei denen jeder aus der Organisation teilnehmen kann und bei dem wir das Testing erklären.

Wir wollen schneller, wir wollen DevOps!

Egal ob Wasserfall oder Agile, das Testing wird sehr oft als Bottleneck betrachtet.

Eine Möglichkeit dem Bottleneck-Problem des Testings zu begegnen, wird sehr oft in der Anwendung von DevOps gesehen, ein Trend, der schon seit einiger Zeit anhält. Ein schnelleres «Time To Market» und eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen «Development» und «Operations» sind andere Ziele, die man mit DevOps herbeiführen möchte. Im Allgemeinen sollte DevOps dazu beitragen, dass die Organisation besser an die digitale Gesellschaft angepasst ist. Man könnte sagen, dass DevOps eine nächste logische Stufe der Agilität darstellt.

Aber, wird DevOps auch tatsächlich gelebt? Eine erste vorsichtige Aussage ist: Nein, denn 71.4% der Befragten gibt an, dass ein Deployment-Zyklus von 1 bis 12 Monaten instand gehalten wird.

SwissQ Consulting AG Trends und Benchmarks 2020 Deployments

Copyright SwissQ Consulting AG Trends und Benchmarks 2020

Dazu kommt noch, dass 84.9% sagen, dass das manuelle Testing noch immer die wichtigste DevOps Testaktivität ist.

Die Unzufriedenheit über die tatsächliche DevOps-Praxis zeigt sich auch in den Zahlen: 81.7% der Befragten ist nicht oder nicht ganz zufrieden damit, wie DevOps in der Organisation gelebt wird. Dies liegt vor allem daran, dass die Key Success Faktoren, «Cultural Change» und «Breaking Down Organisational Silos» vielen Organisationen ziemliche Mühe bereiten. Das bedeutet: wenn man DevOps in der Organisation erfolgreich einführen möchte, sollte man das «Aufbrechen» von organisatorischen Silos und dem Kulturwandel einen hohen Stellenwert beimessen.

Wandel in Testing

Mit dem neuen Trend in Richtung KI (Künstliche Intelligenz) und der momentanen Bestrebungen, die Organisation vermehrt in Richtung DevOps auszurichten, müssen sich auch Tester und Testmanager wandeln. Es wird mehr technisches Know-how erwartet. Wir Tester und Testmanager müssen uns also technisch weiterbilden.

Die manuelle Testtätigkeit wird aber weiterhin bestehen und eine Berechtigung haben.
Fehler in der Software wird es immer geben. Es braucht kreative Geister, die diese Fehler aufdecken können. Und diese Kreativität kann nicht automatisiert werden oder in einer DevOps-Pipeline mechanisch eingebaut werden.

Wie kann die SwissQ ihr Unternehmen unterstützen?

Dies sind nur einige der spannenden Ergebnisse unseres jährlichen Trends & Benchmark Reports! Wenn sie interessiert sind die weiteren Ergebnisse nicht nur zum Thema Testing zu hören oder auch zu lesen, würden wir uns über eine Kontaktaufnahme freuen. Den Report können Sie unter report.swissq.it herunterladen.
Sie möchten gleich loslegen? Wir haben seit fast 15 Jahren Erfahrung in der Beratung, von Agilität über Product Engineering bis zum Testing und DevOps. Dank der breiten Erfahrung unserer Kollegen können wir Ihnen auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Services bieten. Wir unterstützen Sie gerne auf Ihrem Weg!

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