Einblicke eines Softwaretesters ins Product Management Festival (PMF)


Wilhelm Kapp, Test Consultant

Beim Product Management Festival sind Experten aus verschiedenen Branchen vertreten.

Als aktive Mitglieder der Product Management Gemeinschaft sind sie an einem steten Informationsaustausch und Wissenstransfer interessiert. Für diese Zwecke organisiert SwissQ regelmässig diese Konferenztage.

Als Softwaretester interessieren mich die Zusammenhänge zwischen Testing und Product Management.

Welche Schnittstellen und Berührungspunkte haben diese beiden Themen? Wie ist das Thema Testing davon betroffen? Diese Fragen werde ich in meinem Beitrag beantworten.

Relationships matter

LinkedIn läutet mit der Keynote „Relationships matter“ die Konferenz ein. Die Aussage des Speakers Giovanni Iachello bezieht sich auf die Wichtigkeit der zwischenmenschlichen Netzwerke auf beruflicher Ebene.

Kann man das auch auf den Bereich Testing übertragen?

Ich finde es wichtig das Netzwerk zu nutzen um Erfahrungen unter Softwaretestern auszutauschen. Somit wird die Thematik Softwarestesting gelebt und entwickelt sich stetig weiter.

Hierfür bieten sich z.B. folgende Gruppen im Bereich Testing an:

Ministry of Testing – the online software testing community
Bug Free : Discussions in Software Testing

Scaling loT products

Pilgrim Beart von DevicePilot stellt in seinem Vortrag „Scaling loT products“ das eigene Überwachungssystem für Heizungsboiler vor (Produkt: BoilerIQ). Bei Fehlern im System erfolgt eine automatische Meldung an die Servicefirma. Der Kunde erhält von der Servicefirma eine SMS, die besagt, dass es ein Problem im Heizsystem vorliegt.

Was muss hier im Vorfeld getestet werden?

Aus meiner Sicht muss das Produkt vor allem auf Benutzerfreundlichkeit getestet werden. Sind Produkte und Funktionen für den Anwender auf Anhieb verständlich? Das Produkt muss sich auf das Wesentliche beschränken (Temperaturanzeige und Konfiguration der Temperatur, klarverständliche ERROR-Meldungen). Einen weiteren Testschwerpunkt sehe ich in der Kommunikation des Gerätes mit der Servicefirma.

Wie ist die Kommunikation im Onlinemodus und wie verhält sich das Gerät im Offlinemodus? Gibt es eine klare Meldung an den Kunden und Servicefirma? Wie wird die Kommunikation gewährleistet wenn sich eines der Geräte im Offlinemodus befindet?

Die Priorität der Fehlermeldungen muss festgelegt werden. Eine sofortige Handlung ist nicht bei jedem Fehler notwendig. Die Benachrichtungstexte müssen auf Inhalt und Zuordnung getestet werden.

Creating innovative Products in the ski industry

Mathieu Fauve von StöckliCreating innovative Products in the ski industry“ bietet den Zuhörern einen Blick hinter die Kulissen der Ski-Produktion.

Das Testen von neuen Produkten ist wichtig und steht im Vordergrund. Die neuen Produkte werden mittels Simulatoren, speziell entwickelten Geräten und Testern getestet und überprüft. Sobald die Tests abgeschlossen sind und die Ergebnisse den Erwartungen des Herstellers und Testkunden entsprechen, wird das Produkt auf den Markt gebracht.

Wenn ein Sportler Medaillen gewinnt oder die Nutzer positive Resonanzen abgeben, weiss man, dass das Produkt auch wirklich gut und benutzerfreundlich ist

Durch das vorrangige Testen werden Fehler aufgedeckt und können vorab behoben werden. Wie beim Testen von Skiern durch die Testkunden werden auch in der IT die Abnahmetests durch den Kunden gemacht und der erfolgreiche Abschluss dieser Teststufe ist meist Voraussetzung für die rechtswirksame Übernahme der Software. Dieser Test kann unter Umständen (z. B. bei neuen Anwendungen) bereits auf der Produktionsumgebung mit Kopien aus Echtdaten durchgeführt werden.

Erst wenn das Produkt im Live-Betrieb überzeugt, kann man sicher sein, dass man eine gute Arbeit gemacht hat

Design and decision

Adrian Zumbrunnen von Google referiert über „Design and decision“ und betont, dass bei der Gestaltung von Webseiten das Design enorm wichtig ist. Die Umsetzung und Gestaltung muss der Zielgruppe entsprechen. Beispielsweise passen verspielte Animationen nicht zu einer seriösen Bank, dafür zu einer kreativen Webseite. Design das wenig Sinn macht, sollte komplett verschwinden – weniger ist hier mehr.

Eine benutzerfreundliche Website ist übersichtlich, damit sich der Benutzer sofort gut zurechtfindet

Für das Erreichen der Kundenzufriedenheit in Bezug auf Websites ist Usability-Testing eine wichtige Testmethode. Einem oder mehreren Probanden werden Aufgaben gestellt. Die Auswahl der Probanden erfolgt unter Berücksichtigung der Anwenderzielgruppe und Branche. Das Testresultat zeigt z. B., ob sich die Aufgaben, wie beispielsweise Ticket bestellen oder Zahlungsauftrag erfassen, in einer vernünftigen Zeit ausführen lassen. Beobachter protokollieren beobachtete Usability-Probleme. Diese Erkenntnisse werden firmenintern ausgewertet und fliessen in Produktverbesserungen ein. Anschliessend wird der Proband über seine Empfindungen und Gedanken zum getesteten Produkt befragt.

Für den Usability-Test sowie weitere Testmethoden, um die Benutzerfreundlichkeit zu evaluieren, bietet die SwissQ Academy den Zertifikatskurs Usability Tester Foundation Level an.

Ein überlegtes und zielgruppenorientiertes Design  zeigt dem Nutzer der Webseite die Seriosität des Anbieters. Der Besucher der Seite findet Gefallen daran und nutzt diese dauerhaft und wiederkehrend. Gerade „Call to action“ Funktionen werden nur dann mit einem positiven Gefühl genutzt, wenn die Seite auch Seriosität ausstrahlt.

Aus diesem Grund ist es unerlässlich, Websites vor Liveschaltung einem Betatest zu unterziehen. Ein ausgewählter Kreis von Benutzern (intern und/oder extern) muss die Webseite nicht nur auf Funktionalität, sondern auch auf das Design prüfen und die Resultate festhalten.

Resüme

Eine Schlüsselerkenntnis, die ich aus dem Product Management Festival mitnehme ist, dass in jeder Branche das Testing und das Verstehen des Produkts wichtig ist. Definierte Anforderungen dienen als Prüfreferenzen, mittels derer ggf. vorhandene Fehler aufgedeckt werden. Bereits in der Planungsphase einer Software kann neben dem Requirements Engineer auch ein Softwaretester mit einbezogen werden. Dieser hat möglicherweise eine andere Sichtweise und kann seine Erfahrung bei der Ausarbeitung des Produkts einbringen.

Das Testing ist zwar teuer und aufwendig, jedoch macht sich der Aufwand bei der späteren Kundenzufriedenheit und dem Erfolg des Produkts bezahlt.

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