Digitales Testen: Schlagwort oder ernstzunehmender Trend?


Marcel Stoop, Head Testing

«SMAC»? Ich gebe das schnell in Google ein. Mal sehen, was kommt: St. Moritz Automobile Club, Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz, Sensor Media Access Control. Seltsam, SMAC taucht doch regelmässig in der IT-Welt als Begriff auf. Erst wenn ich «SMAC Digital» eingebe wird das gefunden wonach ich suche: Social, Mobile, Analytics, Cloud.

Das gleiche Bild bei «Digitales Testen». Nichts. Ok, dann gebe ich eben «Digital Testing» ein. Jetzt gibt es immerhin einige Suchergebnisse.  Die Eingabe von «Digitale Transformation» wiederum ergibt dann ganz viele Einträge.

SMAC-DigitalesTesten

Digitales Testen

Digitales Testen: Trend oder Schlagwort?

Ich bin etwas verwirrt. Mega-Trend, ganz gross im Kommen, jeder hat davon gehört, jeder will mitmachen, oder denkt, dass er mitmachen sollte. Und dann solche Suchergebnisse. Doch nur ein Schlagwort hinter dem nicht viel Substanz steckt? Oder ein Trend, der noch nicht so richtig angekommen ist und unter dem jeder etwas anderes versteht?

Um das zu klären haben wir uns bei SwissQ intensiv mit den Themen «SMAC», «Digitales Testen» und «Digitale Transformation» auseinandergesetzt. Was genau ist „es“, welchen Einfluss hat es auf unsere Organisation und wie wird das Testing davon beeinflusst?

In den kommenden Wochen werden wir in einer Blog-Serie das Thema „Digitales Testen“ vertiefen. Beginnen will ich hier mit einer Einführung. Was ist es und was bedeutet es?

Digitale Transformation

Digitale Transformation, SMAC und Digitales Testen hängen sehr stark miteinander zusammen. Ich gehe nicht mehr in einen Buchladen, sondern bestelle mein Buch über Amazon. Ich zahle mein Mittagessen mit meiner TWINT-App. Meine Applikation läuft nicht mehr auf meinem PC sondern irgendwo in der Cloud auf einer Server-Farm. Das alles sind Facetten der «Digitale Transformation». Ehemals analoge Vorgänge werden digital abgewickelt. Digitale Technologien tragen zu einem – oftmals disruptiven – Veränderungsprozess bei.

Die Digitalen Technologien werden wiederum stark durch SMAC und IoT (Internet of Things) geprägt. Was bedeuten also diese Begriffe?

SMAC & IoT, was bedeutet das?

Social bezieht sich auf Social Media im weitesten Sinne. Dies beinhaltet nicht nur die verschieden sozialen Plattformen wie Facebook, Twitter, Wikipedia, YouTube, MMORPG’s, usw.. Es geht auch um die Interaktion von Firmen über diese Kommunikationsmedien und die Bereitstellung von Funktionen über diese Plattformen.

Mobile bezieht sich auf mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets für die spezifisch konzipierte Software und Apps zur Verfügung gestellt werden.

Bei Analytics geht es um Big Data und Business Intelligence (BI). Also um das Aufbereiten von Benutzerdaten und die Schlussfolgerungen, die man aus diesen Daten ziehen kann, mit dem Ziel die Business Entscheidungsprozesse zu optimieren (z.B. Cumulus Karte). Man denke dabei an das Verstehen des Kundenverhaltens und das Einfliessen dieser Ergebnisse in die Entwicklung und das Testdesign.

Cloud oder Cloud Computing bezieht sich auf Standort- und Geräteunabhängige Nutzung von Daten und Software (Applikationen).

Bei Internet of Things dreht sich alles um die Vernetzung von Geräten via WWW. Man denke dabei an Smart-Watches, Connected Cars, der neue SwissPass mit RFID-Chip und Home Automation.

4 Kernprobleme der Digitale Transformation

Bei der Digitalen Transformation der ehemals analogen Vorgänge kommen meist neue Probleme auf die Organisation zu. Um genau zu sein: 4 Kernprobleme tauchen immer wieder auf:

Ein bekanntes Phänomen ist die «2-Speed-IT», auch bimodale IT genannt. Einige Organisationseinheiten der IT widmen sich der Instandhaltung und Aktualisierung der alten Systeme in einem langsameren Takt. Hingegen treiben andere Einheiten mittels agiler Vorgehensweisen, Scrum und DevOps die Innovationen bezüglich SMAC & IoT Technologien voran, um mit der Konkurrenz und der zunehmenden Digitalisierung Schritt zu halten. Die Herausforderung liegt darin, diese Beiden unterschiedlichen Organisationseinheiten innerhalb der IT zu synchronisieren, um zu verhindern, dass sie auseinanderdriften.

Ein anderes Problem das öfters auftaucht ist, SMAC nicht als Einheit zu betrachten. Man nimmt sich ein Element heraus und versucht dieses um zu setzen. Eine Frage muss hier erlaubt sein: Was nutzt die Transformation von analogen Vorgehensweisen in einer (digitalen) Mobile App, wenn man die Komponenten Social, Analytics und Cloud nicht auch gleichzeitig und integrativ betrachtet? In diesem Zusammenhang spricht man auch vom SMAC-Stack. Hiermit will man zum Ausdruck bringen, dass das Zusammenspiel der SMAC-Technologien als eine Marketing Solution, im Verbund betrachtet werden muss. Bei der Transformation in einer Mobile App z.B. wird die Verfügbarkeit von User-Daten (Big Data) komplett andere Dimensionen annehmen. Diese Daten, und vor allem die Analyse davon, werden für die weitere Entwicklung dringend benötigt. Ohne diese Daten wird es sehr schwierig die benötigte Geschwindigkeit und Qualität aufrecht zu erhalten (schnellere und qualitativ bessere Release Zyklen). Durch eine konsequente Verwendung und Analyse dieser Daten wird es zusätzlich möglich die negativen Aspekte einer «Fail Fast» Strategie abzufedern.

Wenn wir also SMAC als eine Gesamtlösung sehen, haben wir nicht nur 4 Komponenten die wir im Detail betrachten können, sondern zusätzlich noch die verschiedenen Schnittstellen. Und plötzlich haben wir insgesamt 10 Elemente die miteinander interagieren. Und damit kommen wir zum nächsten Problem: Die Skills der Mitarbeiter bezüglich digitale Transformation. Oft wird vergessen, dass mit der Digitalen Transformation auch neue Skills verlangt werden. Auf einmal sind z.B. Kenntnisse bezüglich mobilen Technologien gefragt. Auch wird dem Verständnis der verschiedenen Plattformen- und Schnittstellen-Technologien eine wesentlich höhere Bedeutung beigemessen als dies bis anhin der Fall war.

Das letzte Problem bezieht sich auf die notwendige Geschwindigkeit die aufrecht erhalten werden muss, um der Konkurrenz vorauszubleiben, der Time-To-Market. Adäquate Informationen spielen hier eine strategische Rolle (Big Data). Mehr aber noch besteht die Gefahr, dass die Qualität der Geschwindigkeit geopfert wird. An dieser Stelle möchte ich den Begriff Q-SMAC einführen. Digitale Transformation kann nur erfolgreich sein, wenn das Q in Q-SMAC, also die Qualität, nicht vernachlässigt wird.

Q-SMAC; der Schlüssel zum digitalen Erfolg

Digitale Transformation bezieht sich also auf die Umsetzung und Integration der Digitalen Technologien SMAC & IoT. Dabei spielt die Qualität eine wichtige Rolle. Das «Q» in Q-Smack (Qualität) bezieht sich einerseits auf das Requirement-Engineering,  anderseits auf das Testing.

Die Qualität fängt damit an dass das Richtige und Wichtige zum richtigen Zeitpunkt umgesetzt wird.  Hier wird das Requirement Engineering gefordert: Anforderungen, Use Cases oder User Stories müssen fortlaufend konzipiert werden und genügendInformationen enthalten, damit eine schnelle Umsetzung möglich gemacht wird. Mittels Akzeptanzkriterien muss vorgegeben werden welche Qualität gefordert ist.

Anderseits geht es um die Qualitätssicherung und insbesondere das Testing: es wird eine andere Herangehensweise verlangt und damit eine «Digitale» Teststrategie um das Testing der Digitalen Technologien und den dazugehörenden Schnittstellen erfolgreich gestalten zu können.

Wie weiter?

In den nächsten Wochen werden wir eine Blog-Serie aufschalten die sich intensiv mit dem Thema «Digitales Testen» auseinandersetzt. Wir werden uns den einzelnen Buchstaben in Q-SMAC widmen, und Fragen bezüglich Digitaler Teststrategie und der Testschwerpunkte bei Q-SMAC beantworten. Auch werden wir die Themen Requirements und Usability in diesem Kontext aufnehmen.

Alles unter dem Motto: Mobile ist heute, Q-SMAC ist die Zukunft.

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