100 Tage Head Testing


Marcel Stoop, Head Testing

Im Frühjahr 2016 habe ich bei SwissQ die Aufgabe des Head Testing übernehmen dürfen. Nach fast 2 Jahrzenten im IT Test und Quality Bereich, erachte ich es als eine Herausforderung auf einer anderen Ebene die Qualität im IT-Umfeld voran zu treiben dürfen. Die Leute fragen mich öfters, was denn um Himmels Willen spannend am Testing Business sei. Man betrachtet das Testing als öde, sich immer wiederholende Tätigkeit und grundsätzlich sind die Tester nicht immer sehr beliebt im Projekt. Eigentlich sorgen diese nur für „Probleme“ indem sie Fehler aufdecken und somit immer eine negative Haltung heraufbeschwören.

Qualität als Motivation

Es ist das Bestreben nach Qualität das mich schon seit über 20 Jahren antreibt, Fehler zu entdecken die eine Qualitätsverbesserung des Produkts darstellen. Allzu schnell wird vergessen, dass Tester nicht nur Kosten generieren, sondern auch viele Kosten vermeiden. Zum Beispiel in Form von schwerwiegenden Problemen, welche aufgedeckt wurden bevor sie in der Produktion Schaden anrichten konnten.

Das Testing ist mir durch all die Jahre quasi ins Blut übergegangen, aber ich habe auch gelernt dieses Qualitäts- und Tester-Gen nicht mit nach Hause zu nehmen, da dies zu Problemen auf einer komplett anderen Ebene führen würde.

Als Head Testing kann ich mich nun ganz auf dieses qualitätsbewusste Streben einlassen. Als themenführend im Bereich Testing, ist der Job des Head Testing bei SwissQ aber nicht ganz so einfach wie es vielleicht scheint. Es wird zum Beispiel vom Head Testing erwartet, dass er neue Entwicklungen initiiert und vorantreibt. Wenn man in Betracht zieht, dass das Testing, im Gegensatz zum Agile und Requirement Engineering, seit Jahren schon etabliert und konsolidiert ist und auch am Horizont wenig neue Entwicklungen erscheinen, wird deutlich, dass der Job in dieser Hinsicht sehr anspruchsvoll ist.

Neues Testvorgehen?

So stammt das V-Modell noch aus dem Ende der 70er Jahre und wurde 1986 das erste Mal angewendet. Zwischenzeitlich gab es 2 Erneuerungen die auf das V-Modell basieren: Das V-Model XT (1997) und das W-Modell (2000). Obwohl beide Neuerungen einen Mehrwert für die Projektabwicklung und damit auch für das Testing ergeben, sind diese in der Praxis unbekannt oder werden schlichtweg ignoriert. Vor allem dem V-Modell XT hätte innerhalb der Agilität eine bedeutendere Rolle zukommen können.

Auch das Vorgehen des Agile Testing ist nicht mehr so neu. Seit 2001 wird immer mehr Software agil entwickelt. Über die Zeit wurden die (Test)Vorgehensweisen darauf optimiert (z.B. mit der Einführung des Embedded Testing). Die meisten agilen Projekte sind aber hybrid unterwegs, das heisst es werden das klassische Phasenmodell mit agiler Entwicklung kombiniert, wodurch auch das Testing beide Welten beinhaltet.

Man kann also sagen, dass sich das Testing innerhalb der IT seit den 70iger Jahren hauptsächlich an nur 3 verschiedenen Vorgehensmodellen orientiert hat: Wasserfall, V-Modell und Agile (Scrum). Ok, es gab da noch RUP und RAD, aber die waren für das Testing eher weniger wichtig. Überspitzt gesagt: Wenn man einen Software Tester aus dem Jahre 1970 ins 2016 beamen könnte, müsste dieser nichts Neues bezüglich Testing lernen. In all diesen Jahren gab es keine bahnbrechenden neuen Testphilosophien oder Game-Changer.

Themenführer

Für SwissQ als Themenführer im Bereich Testing stellt sich immerzu die Frage ob es nicht Zeit wird für eine nächste Evolution oder für eine neue Testphilosophie. Genau hier liegt eine der Haupt-Aufgaben des Head Testings: den nächsten Entwicklungsschritt im Testing einzuleiten und aktiv zu mit zu gestalten. Und das ist eben eine rechte Herausforderung, weil das Testing eher schon konsolidiert ist. Trotzdem denke ich, dass bald etwas Neues kommen wird. Wir arbeiten laufend an diesem Thema und versuchen es stetig voranzutreiben. Unterstützt werde ich als Head Testing hier von den SwissQ Zünften.

Zünfte: die Know-How Träger der SwissQ

Und damit bin ich bei einem weiteren wichtigen, aber nicht weniger fordernden, Job für den Head Testing angelangt: die Organisation der einzelnen Testzünfte. Innerhalb SwissQ werden die einzelnen Test-Bereiche in Zünften organisiert: Web & Mobile Test, Agile Testing, Testmanagement und Test Engineering (Testautomatisierung, Testperformance). In den Zünften findet der fachliche Austausch zwischen Kollegen statt und es werden neue Ideen und strategische Ziele umgesetzt.

Durch die hohe Auslastung unserer Consultants in den Kundenmandaten, ist diese Aufgabenstellung für die einzelnen Zünfte nicht einfach. Trotzdem, oder gerade deswegen, müssen die anstehenden Aufgaben organisiert, priorisiert und koordiniert werden. Meine Aufgabe hier ist es, die Übersicht zu behalten.

Aufgaben

Neben diesen zwei wichtigen Hauptaufgaben kümmere ich mich ausserdem um das Leiten der Testing Kurse. Zudem bin nach wie vor beim Kunden in Projektarbeit tätig. Dies ist zwar alles nicht ganz einfach, macht aber sehr viel Spass. Beinahe hätte ich eine weitere wichtige Aufgabe vergessen: Einzelne Themen für den interessierten Leser in einem Blog verfassen. An dieser Stelle möchte ich deshalb jetzt schon mal auf den nächsten Blog von mir aufmerksam machen. „Der Abnahmetest“. Etwas das meistens als sehr einfach betrachtet wird, verursacht in so manchen Projekten Kopfschmerzen oder gar schlaflose Nächte. Ich konnte hier in meinen bisherigen Mandaten viel Erfahrung sammeln und werde im kommenden Blog näher auf den von SwissQ gestalteten Abnahmeprozess eingehen sowie welche Aspekte wichtig sind und welche Probleme in der Praxis auftauchen.

100 Tage

Also, wie waren die ersten 100 Tage als Head Testing? Ich spüre deutlich die gesteigerte Verantwortung und die Erwartungen. Aber die Kombination, aus der normalen Projektarbeit neue Entwicklungen zu initiieren, der Leitung der vier Zünfte und meinen eigenen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, macht den Job des Head Testing nicht nur anspruchsvoll sondern auch spannend. Es ist wie bei den meisten Jobs, man wächst rein und mit den gesteigerten Anforderungen wächst man auch selber über sich hinaus.

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