Werde ISTQB® Usability-Tester bei der SwissQ Academy


Adrian Häfeli, Senior Consultant Business Analyse / Usability

Nach der Sommerpause ist es soweit: In der SwissQ Academy gebe ich zum ersten Mal den neuen Zertifizierungskurs ISTQB® Usability Tester Foundation Level. Das International Software Testing Qualifications Board (ISTQB®) hat das Thema Usability in dieser neuen Zertifizierung aufgegriffen – was natürlich nicht heisst, dass sich diese ausschliesslich an Tester richtet. Die Ausbildung umfasst Grundlagenwissen und zeigt wie Evaluationsmethoden sowie Normen und Herstellerrichtlinien dabei unterstützen, für ein Produkt eine gute Usability zu erreichen. Es war eine spannende Herausforderung, dieses breite Fachwissen in meiner Rolle als zukünftiger Trainer didaktisch ansprechend aufzubereiten.

Im Zertifizierungskurs ISTQB® Usability Tester Foundation Level vermitteln wir Teilnehmenden mit keinem oder wenig Vorwissen im Bereich Usability die Grundlagen sowie ein breites Methodenrepertoire für die Usability-Evaluierung.
Dieses Wissen ist für alle Rollen, die ein Produkt erarbeiten oder weiterentwickeln wichtig: Projektleiter, Testmanager und Business Analysten – und natürlich Tester, die einen wichtigen Beitrag an die Usability eines Produkts leisten, wenn sie bei ihrer Arbeit ein Augenmerk auf eine gute Usability legen.

Lernen für die Praxis

In den zwei Kurstagen bereiten wir die Teilnehmenden optimal darauf vor, das neu erworbene Fachwissen in der Praxis anwenden zu können und mit der ISTQB-Zertifizierung zu belegen. In der Praxis werden häufig die folgenden Methoden angewandt, um die Usability und User Experience (UX) eines Produkts zu evaluieren:

  • Usability-Reviews
  • Usability-Tests
  • Benutzerbefragungen

Die Usability ist ein Mass dafür, ob ein Benutzer seine Aufgabe mit einem Produkt adäquat und zufriedenstellend einsetzen kann. Die Usability betrachtet also die Nutzung eines Produkts. Die UX betrachtet darüber hinaus weitere Aspekte im Zusammenhang mit einem Produkt, zum Beispiel, ob der Funktionsumfang eines Produkts auf den Werbematerialien verständlich beschrieben ist. Diese Aspekte der UX betreffen die Wahrnehmungen des Benutzers vor, während und nach der Nutzung des Produkts.

Unterschied zwischen Usability und User Experience. Die Wahrnehmung der User Experience vor, während und nach der Nutzung.Unterschied zwischen Usability und User Experience (UX)

Bei Usability-Reviews evaluiert der Usability-Tester die Usability eines Produkts auf Basis von Heuristiken und der Erfahrung: einerseits der beruflichen Erfahrung verschiedener Usability-Evaluationen, aber auch aus der Erfahrung als Benutzer von Produkten. Besonders ergiebig sind Usability-Tests, bei denen «echte» Benutzer, authentische Aufgaben auf dem Produkt unter Beobachtung der Usability-Tester lösen. Die Kunst bei dieser Methode liegt darin, dass der Usability-Tester geeignete Aufgaben dafür zusammenstellt. Benutzerbefragungen mit standardisierten Fragebögen sind das Instrument der Wahl, wenn man eine breit abgestützte Einschätzung von Benutzern zu einem im Einsatz befindlichen Produkt benötigt. Weiter bieten sie bei einem Usability-Test die Möglichkeit, ein über alle Testteilnehmer hinweg standardisiertes Feedback zur Zufriedenheit des eben getesteten Produkts einzuholen.

Grundlagenwissen

Für den Praxistransfer ist mir wichtig, dass die Teilnehmenden eine Methode selber ausprobiert. Zum Beispiel sammeln die Teilnehmenden während des Kurses Erfahrungen mit der Methode Usability-Review. Damit man Methoden effektiv einsetzen kann, ist Grundlagenwissen erforderlich. Dieses schaffen die folgenden Themen im ersten Drittel des Kurses:

  • ISO 9241-210 Prozess zur Gestaltung gebrauchstauglicher Systeme
    In diesem iterativen Vorgehen, um für ein Produkt eine gute UX zu erreichen, nimmt der Usability-Tester eine Schlüsselfunktion ein, indem er die dazu notwendige Evaluation plant und durchführt bzw. deren Durchführung koordiniert.
  • Übersicht Normen, Heuristiken und Herstellerrichtlinien zu Usability
    Diese Werkzeuge bieten Anhaltspunkte, um die Usability eines Produkts beurteilen zu können. Ein Beispiel dafür ist der Grundsatz Steuerbarkeit in der Norm ISO 9241-110 Ergonomie der Mensch-System-Interaktion. Dieser Grundsatz sagt aus, dass der Benutzer die Richtung und Geschwindigkeit der Aufgabenbearbeitung selber steuern können muss – wie mit der Rückgängig-Taste im Texteditor.
  • Accessibility
    In diesem Themengebiet geht es darum, Benutzern mit Behinderungen eine gute Usability zu bieten, was die UX dieser Benutzergruppe erhöht; zum Beispiel eine Antispammassnahme nicht mit Captchas ausgestattet werden, sie bereits eine Person mit 100% Sehkraft kaum lesen kann.

Herausforderungen bei der didaktischen Umsetzung

Aufgrund meiner Ausbildung zum Master of Advanced Studies in Human Computer Interaction Design der HSR und meiner mehrjährigen Projekterfahrung im Bereich UX, erhielt ich die Gelegenheit, die Kursunterlagen für diesen neuen Zertifizierungskurs zu erstellen. In meiner beruflichen Laufbahn durfte ich bereits verschiedene Erfahrungen im Aufbau sowie der Durchführung von Kursen sammeln. Eine besondere Herausforderung war dabei, innerhalb der vorgesehenen Kurszeit nicht nur Theorie zu vermitteln, sondern auch mit sinnvollen Übung erste Praxiserfahrungen zu schaffen. Dies alles kombiniert mit Beispielen aus meiner langjährigen Berufserfahrung.

Für den praktischen Alltag und während der Zertifizierungsprüfung ist es wichtig, das neu erlangte Fachwissen einfach abzurufen zu können. Deshalb lege ich besonderen Wert darauf, die notwendigen Gelegenheiten zum Einprägen wichtiger Begriffe und Abläufe zu bieten. Diesbezüglich ist mir folgendes didaktische Werkzeug aus dem Geschichtsunterricht der Berufsmatura eingefallen: Die Teilnehmenden gehen die Theorie gesteuert durch praxisnahe Fragen durch. Damit speichern sich die Informationen das erste Mal ab und werden bei der anschliessenden Besprechung im Plenum repetiert. Noch heute nach fast 20 Jahren kann ich mich an viele der so gelernten Eckpunkte erinnern.

Einbezug der SwissQ Consulting-Erfahrung

Gute Qualität und Kreativität entsteht nicht in Einzelarbeit im stillen Kämmerlein. In der SwissQ schätze ich es besonders, dass ich bei all meinen Aufgaben auf die Unterstützung meiner Kollegen zählen darf. Bei der Erarbeitung der Kursunterlagen wurde ich unterstützt von Armin Born, einem erfahrenden SwissQ-Kursleiter im klassischen und agilen Testing und Mitglied im Swiss Testing Board sowie von Christoph Wolf. Aufgrund seiner Ausbildung «CAS Usability und User Experience erfolgreich umsetzen» der FHNW, seiner Projekterfahrung im Bereich UX sowie seiner Erfahrung als SwissQ-Kursleiter im klassischen und agilen Requirements Engineering fiel die Wahl des zweiten Kursleiters auf ihn.
Diese Unterstützung war besonders wertvoll bei der Verfeinerung von Ideen zur didaktischen Umsetzung im Gespräch und beim Review der Zwischenergebnisse.

Als Input für Übungen und Beispieldokumente war es mir wichtig, dass die Erfahrung aus unseren breit gefächerten Mandaten einfliesst. Christoph konnte hier aus seinem letzten Usability-Test und Armin aus von ihm organisierten Accessibility-Reviews einiges an Beispielen beisteuern.

Consultants während einer Besprechung im Pilotkurs.

Ein Pilotkurs bringt wichtige neue Sichtweisen für die Entwicklung des Inhaltes.

Neben Reviews ist die Generalprobe eine wichtige Massnahme zur Qualitätssicherung der Kurse. Dazu wählen wir Consultants mit unterschiedlichen Erfahrungen aus, um die Kursunterlagen durch Feedbacks verschiedenster Blickwinkel zu verbessern. Ein wesentlicher Aspekt, um für einen Kurs ein angenehmes Lernumfeld zu schaffen. Eine der Teilnehmerinnen war unsere erfahrene Mobile-Testerin Janine Karbulka. Sie wird in einem folgenden Blogbeitrag von ihren Eindrücken während des Pilotkurses berichten und erklären, wie sie das neu erlangte Wissen in ihren Mobile Testings einbringt.

Persönliche Weiterentwicklung

Mit dem Vermitteln von Wissen lernt man selber viel dazu. Zum Beispiel bei der Übung zur Bewertung der Aufgaben eines Usability-Test; es ist gar nicht so einfach, etwas gezielt unvollständig zu verfassen.
Ich finde es toll, dass die SwissQ ihren Mitarbeitern mit dem Zunftsystem Zeit zur Verfügung stellt, um ein neues Thema explorativ auszuprobieren oder sich in einem bekannten Thema zu vertiefen. Denn dafür besteht im Daily Business in den spannenden Mandanten zu selten der nötige Raum.

Im September geht es los …

Mit dem Unterrichten dieses UX-Themas darf ich neben meiner Arbeit in den Consulting-Mandaten einen weiteren Beitrag an die UX von Produkten leisten, indem ich Fachkräften das nötige Rüstzeug für die Erreichung einer guten UX mitgebe.
Am 26. / 27.09.2018 geht es mit dem ersten öffentlichen Kurs, so zu sagen der Premiere, los. Ich freue mich auf interessierte Teilnehmer!

Weitere Details zu den Kursinhalten finden sich im Syllabus ISTQB® Usability Tester Foundation Level. Am Nachmittag des zweiten Kurstages findet die Zertifikatsprüfung statt, deren Kosten zusammen mit den Mittagessen und der reichlichen Pausenverpflegung, im Preis inbegriffen sind.
Die Anmeldung zum Kurs vom 26. / 27.09.2018 und weiteren Kursen erfolgt unter SwissQ Academy – bis Ende 2018 mit 10 % Rabatt.

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