Trends & Benchmarks 2014: Die Zufriedenheit mit dem Testprozess


SwissQ

In der Umfrage zum Trends und Benchmarks Report 2014 wurden die Teilnehmer unter anderem gefragt, wie sie mit den Testaktivitäten des Testprozesses in ihrer Organisation zufrieden sind. Über alle Testaktivitäten hinweg betrachtet, ist das Ergebnis eher bescheiden. Eine Zufriedenheit von 50 % oder weniger zeigt deutlich auf, dass Verbesserungsbedarf besteht.

Zufriedenheit

Best…

58 % aller Umfrageteilnehmer sind mit der Testdurchführung zufrieden. Obwohl dieser Wert nicht gerade ein Spitzenergebnis ist, ist es doch die Aktivität innerhalb des Testprozesses mit der höchsten Zufriedenheitsrate. Vielleicht ist es damit zu erklären, dass in diesem Schritt die fassbarsten Resultate erzielt werden.

…and worst

Im Gegensatz dazu sind rund zwei Drittel der Befragten mit der Testfallermittlung mittelmässig oder gar nicht zufrieden. Setze ich diese schlechte Bewertung der Testfallermittlung in Kontext zur Frage, welches denn die grössten Herausforderungen im Testing sind, so kann ich durchaus die ein oder andere Abhängigkeit daraus ableiten.

Die grössten Herausforderungen

Herausforderungen

Als grösste Herausforderung werden mangelhafte Anforderungen beschrieben. Da eine Vielzahl der Testfälle direkt von den Anforderungen abgeleitet werden liegt es nahe, dies als eine der Ursachen der schwachen Bewertung der Testfallermittlung zu betiteln.

Die späte Involvierung der Tester in den Prozess wird ebenfalls als eminente Herausforderung bezeichnet. Ausgehend davon, dass  Zeit und personelle Ressourcen für Tests in den Projekten eher knapp bemessen und hauptsächlich in klassischen Vorgehensmodellen jeweils am Schluss des Projekts angesiedelt sind, vermute ich, dass die Testfallermittlung möglicherweise vielerorts vernachlässigt und direkt in die Durchführung der Tests übergegangen wird, denn dort wird Zählbares geliefert. Ist dies der Fall, so ist es für mich durchaus nachvollziehbar, dass die Testfallermittlung in der Bewertung der Testmitarbeitenden schlecht abschneidet.

Exploratives Testen ist im agilen Umfeld weit verbreitet. Bei dieser Art des Testens werden im Vorfeld keine Testszenarien entworfen. Die Testfälle entstehen dabei während der Testausführung. Eine verlässliche Testdatenbasis mitsamt funktionierender Testumgebung sind somit eine Grundvoraussetzung. Gerade die Testdaten und -umgebungen werden aber häufig als ungenügend wahrgenommen. Könnte also folglich die verbesserte Bereitstellung und Bewirtschaftung der Testdaten möglicherweise auch auf die Testfallermittlung einen positiven Effekt haben?

Und was ist mit dem Methodenwissen?

Rund ein Drittel der befragten Testmitarbeitenden attestieren sich selber eine eher bescheidene methodische Kompetenz. Kontrovers ist, dass fehlende Methodik  bei der Umfrage nicht in den obersten Ränge der grössten Herausforderungen landete. Diese Fähigkeiten sind jedoch in allen Bereichen des Testprozesses unverzichtbar um die geforderte Qualität eines Produkts zu gewährleisten. Die Frage sei hier also erlaubt, ob allenfalls ein vermehrtes Augenmerk auf die Methodenkompetenz auch die Zufriedenheit im ganzen Prozess verbessern könnte?

Und was ist mit der Kommunikation?

Management und Testmitarbeitende sind sich bezüglich der Güte der Kommunikation im Testbereich nicht ganz einig. Das Management beurteilt die Kommunikation etwas besser als die Tester selber. Trotzdem, zufriedenstellend sind beide Werte nicht.

Liesse sich allenfalls durch optimierte Kommunikation innerhalb und über die Grenzen des Teams hinweg, auch eine bessere Beurteilung der Testaktivitäten erzielen? Ich meine ja. Mein Kollege Marcel Rütschi formulierte bereits in einem früheren Blogbeitrag zur Stakeholder-gerechten Kommunikation einige hilfreiche Ansätze zur Verbesserung der Kommunikation.

Das Fachbuch Soft Skills für Softwaretester und Testmanager von Heinz Hellerer (dpunkt.verlag) befasst sich hauptsächlich mit der Kommunikation im Testteam und bildet mit viel Praxisbezug aber auch theoretischen Grundlagen  einen klugen Ratgeber für Optimierungen in diesem heiklen Bereich. SwissQ bietet ebenso einen Kurs Soft Skills in Testing an.

Fazit

Die Zufriedenheit über die einzelnen Aktivitäten des Testprozesses hält sich in Grenzen. Die Ursachen sind vielschichtig und auf viele Rollen und Phasen des Prozesses verteilt. Eine Steigerung der Zufriedenheit zu erreichen scheint folglich nicht ganz einfach. Ich denke, den Herausforderungen muss mit unterschiedlichen Mitteln auf breiter Front und unmittelbar entgegengetreten werden.

Hier einige Ideen, wie diese Hindernisse abgebaut werden können:

  • Mit spezifischen Ausbildungen methodische Lücken schliessen
  • Sensibilisierung auf die Wichtigkeit der Kommunikation im Team durch Workshops
  • Distanzen und örtliche Grenzen zwischen den am Prozess beteiligten Akteuren (Business Analysten, Tester, Entwickler, Projektleiter, etc.) eliminieren
  • Einbindung von Testern in den Review-Prozess von Anforderungen (Stichwort: Testbare Anforderungen)
  • Durchführung eines Test Prozess Assessments und Einleitung entsprechender Massnahmen

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