IE ist tot lang lebe das e! – Sollte man Websites in Edge testen?


SwissQ,

Endlich ist es soweit, Windows 10 wurde veröffentlicht und mit ihm auch der neue Standardbrowser aus dem Hause Microsoft. Alles neu, alles anders und viel besser als der inzwischen vergreiste Internet Explorer in seinen diversen Versionen?
Dieser Blogartikel soll einen kurzen Abriss zum neuen Browser von Microsoft bieten und eine Hilfestellung für die Frage danach sein, ob der Browser im Testing von Websites und -applikationen berücksichtigt werden sollte. Die Relevanz von Edge im Testing werde ich anhand aktueller Marktzahlen und persönlicher Erfahrung einschätzen.

Microsoft Edge verspricht einiges und erste Gehversuche lassen hoffen:

  • Die hauseigene überarbeitete JavaScript Engine Chakra, welche in den bekannten JavaScript Benchmarks Octane 2.0 (Google) und Jet Stream (Apple) besser performed als Chrome und Firefox
  • Das Verwerfen einiger Altlasten wie z.B. der Rückwärtskompatibilität inkl. Kompatibilitätsmodus, ActiveX oder Silverlight (ja, selbst der eigene Flash Konkurrent wird nicht mehr unterstützt), die IE über den Lebenszyklus hinweg immer weiter aufgebläht haben
  • Ein integrierter Flash-Player und natives PDF Rendering machen externe Add-Ons für diese weit verbreiteten Technologien überflüssig
  • Standardmässige Komfortfunktionen wie ein Lesemodus, eine Leseliste oder die angekündigte Unterstützung von Extensions die für andere Browser entwickelt wurden

Internet Explorer, a web developers menace

Eine Anleitung zum Testen in Edge würde den Rahmen eines einzelnen Artikels sprengen und es fehlen schlichtweg Erfahrungswerte mit dem neuen Browser. Darum will ich mich in diesem Artikel auf die Fragen konzentrieren:

  1. Was bedeutet das für das Testing von Webapplikationen?
  2. Und soll ich vor einer signifikanten Verbreitung von Edge ins Testing dafür investieren?

Diese Fragen lassen sich gerade kurz nach Veröffentlichung von Windows 10 und Edge wohl nur hypothetisch klären. Jedenfalls dann wenn da nicht die Statistiken wären.

„Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe…“

Die Statistiken können zumindest eine Tendenz der weiteren Entwicklung aufzeigen.
Anders als bei früheren Windows Versionen bietet Microsoft Win 10 als kostenloses Upgrade für alle Nutzer mit Win 7 oder Win 8 an. Betrachtet man den Marktanteil von Win 7 und Win 8 vor dem Release von Win 10 sind rund 70% aller Betriebssysteme in der Schweiz für ein Upgrade berechtigt. Wie viele Anwender dieses Angebot innerhalb des 1-Jahres Zeitraums nutzen bleibt abzuwarten, vor allem da viele Unternehmen erst Jahre nach der Veröffentlichung auf Win 7 gewechselt haben und diesen Unternehmenslizenzen kein kostenloses Upgrade zur Verfügung steht.

Den Statistiken von StatCounter nach ist allerdings davon auszugehen das Win 10 eine höhere Marktakzeptanz als Win 8 hat und sich schneller verbreitet als Win 7 einen Monat nach Veröffentlichung.

Auch der plattformübergreifende Ansatz welcher bereits mit Win 8, (wenn auch halbherzig) verfolgt wurde, ist in Win 10 konsequenter umgesetzt. Mit einem Betriebssystem für sämtliche unterstützte Hardware (PC, Tablet und Smartphones), dem Fokus auf den hauseigenen Cloud-Speicherdienst OneDrive und der Emulation von Android-Apps ist Microsoft auf einem guten Weg Marktanteile, vor allem im mobilen Sektor, gut zu machen oder eine stimmige Alternative zu anderen Betriebssystemen anzubieten.

Weiterer Mitspieler im Browserkrieg

Warum ich hier über die Verbreitung von Windows 10 schreibe anstatt auf den neuen Browser und seinen Einfluss auf die Applikationsentwicklung einzugehen?

Microsoft hat angekündigt das Windows 10 das letzte komplett neu überarbeitete Betriebssystem sein wird. Künftige Neuerungen werden in Form kleinerer Software-Updates veröffentlicht. Der Lebenszyklus von Edge kann also mit dem von Windows 10 gleichgesetzt werden, zumindest bis zu anders lautenden Ankündigungen.
Edge ist derzeit nur im neuen Windows verfügbar daher hängt seine Verbreitung direkt mit der des Betriebssystems zusammen. Ist Windows 10 erfolgreich, sollte Edge als Browser ernstgenommen werden.

Mit einem Blick auf die Statistik zur Verbreitung für die Schweiz sehen wir das bereits 1.6% aller Seitenzugriffe über den Browser Edge geschehen. Für Chrome waren es einen Monat nach Veröffentlichung immerhin 0.6% weniger. Die Verkäufe von Geräten mit vorinstalliertem Windows 10 sind erst angelaufen, daher bleibt abzuwarten wie sich deren Einfluss auf die Statistiken auswirkt.

Neuer Browser, neue Bugs?

Viele von uns haben schon mindestens einmal über die unterschiedlichen Verhaltensweisen der verschiedenen Browser geflucht. Die Eigenarten des neu konzipierten Browsers Edge sind allerdings noch nicht bekannt. Dieser Umstand verlangt Achtsamkeit bei der Applikationsentwicklung, im Besonderen beim Testing.
Öffentlich zugängliche Webapplikationen sollen auf möglichst vielen Browsern gleich aussehen und funktionieren. Meist sind es wir Tester die diese übergreifende Validierung durchführen, auch bekannt unter dem allseits beliebten Begriff Cross-Browser Testing.

Üblicherweise prüfen wir hier die am meisten verbreiteten Browser(-versionen) auf den bekannten Betriebssystemen. Da Microsoft mit Windows 10 über alle Plattformen hinweg eine Version des Betriebssystems mit einer Version des neuen Browsers anbietet reduziert sich der Mehraufwand der Tests auf die korrekte Darstellung bei verschiedenen Auflösungen. Die technische Kompatibilität kann auf einer Plattform überprüft werden. Zu beachten ist dass bei einer Bildschirmdiagonale von grösser als 8 Zoll Windows 10 im Desktopmodus arbeitet, bei einer geringeren Diagonale wird eine für die Touchsteuerung optimierte Darstellung verwendet.

Öffentliche vs. interne Webapplikationen

Ein Internet Explorer, vorinstalliert mit dem Betriebssystem in der ein oder anderen Version, ist oft der vorgegebene Browser eines Unternehmens und bildet die Grundlage für viele interne Webapplikationen die für das tägliche Arbeiten notwendig sind. Für die meisten internen Altapplikationen wird Edge daher vorderhand nicht als Zielplattform in Frage kommen. Bei der Entwicklung dieser Applikationen wurde oft eine Optimierung auf definierte IE Versionen durchgeführt, was die Lauffähigkeit in anderen Browsern beeinträchtigt – von unerwünschten Verhaltensweisen bis hin zur Nichtfunktionalität.

Daher hat sich Microsoft dazu entschieden Internet Explorer 11 auch mit Windows 10 noch auszuliefern, jedoch keine funktionalen Updates mehr dafür zu veröffentlichen. Das obwohl die kostenlose Upgradefunktion nicht für Unternehmenslizenzen gilt und der Umstieg auf ein neues Betriebssystem bei den meisten Firmen ein langer Prozess ist.

Beim Testing einer bestehenden unternehmensinternen Webapplikation gibt es daher wenig Grund Edge zu berücksichtigen, jedenfalls so lange bis neue Features geplant sind die nicht von der aktuellen Zielplattform unterstützt werden. Für Neuentwicklungen in diesem Bereich sollte aber Edge als mögliche Plattform bedacht werden. Gerade dann wenn sich die Architektur auf neuere Technologien stützt.

Fazit

Ist es sinnvoll Edge bereits jetzt im Testing zu berücksichtigen? Für eine bestehende unternehmensinterne Webapplikation ist das vergebene Liebesmüh auf Grund der unterschiedlichen Zielplattform. Bei öffentlich zugänglichen Applikationen bzw. Websites hingegen kann das nicht so pauschal beantwortet werden.

Sie sollten für sich folgende Fragen beantworten:

  • Wie lange wird oder soll die Lebensdauer meiner Website/Applikation sein?
  • Welche Browser verwenden meine Nutzer?
  • Mit welchen Betriebssystemen sind meine Nutzer unterwegs?

Haben sie diese Fragen beantwortet, können sie sich mit Hilfe vorliegender Statistiken ein ungefähres Bild davon machen wie viele Nutzer über Edge auf ihr Angebot zugreifen.
Damit haben sie eine bewusste Entscheidungsgrundlage für das Testing mit Edge oder eben dagegen.

In jedem Fall bleibt es interessant zu beobachten wie sich Windows 10 in den nächsten Monaten durchsetzt und ob es noch eine Ankündigung geben wird über weitere unterstützte Betriebssysteme für Edge.

photo credit: Internet Explorer, a web developers menace via photopin (license)

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