Trends und Digitalisierung: Future looks good oder Virtual Insanity?


Janine Karbulka, Consultant Testing

Was kommt, was geht, was bleibt? Ich hatte dieses Jahr die Gelegenheit den Mobile World Congress (MWC) in Barcelona zu besuchen und die Trends und Visionen der dortigen Vorreiter der Branche zu erleben. Was sind die Herausforderungen und wohin geht die Reise?

Mobile World Congress in Barcelona

Ich digitalisiere, du digitalisierst, wir sind die Digitale Transformation

Die Schweiz ist ein eher konservatives Land. Wo andere schon lange die Digitale Transformation leben, haben wir gerade mal akzeptiert, dass kein Weg daran vorbeiführt. So wurde erst am 21. November letzten Jahres der erste Schweizer Digitaltag gefeiert! Mehr zum Thema Digitale Transformation haben meine Kollegen Marcel Stoop und Stephan Wiesner geschrieben.

Aber die Digitale Transformation ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern der Soundtrack von heute. Wie bezeichnend, dass der Song «Future looks good» der Titelsong des diesjährigen MWC war! Wer nicht nach der digitalen Pfeife tanzen kann, wird untergehen. Wirtschaft, Technologie, Wissenschaft, Gesellschaft – es gibt keinen Bereich, der nicht davon betroffen ist und nicht dazu beiträgt

Daten als Treibstoff der Digitalen Transformation

Daten sind der Treibstoff der neuen Wirtschaft, der 4. Industriellen Revolution. „Data is the new oil“ – so einer der Wahlsprüche am MWC. Und Daten können und werden überall gesammelt.

Gemäss Jennifer Pigg Clark von Battle Green Research sollen jetzt schon ca. 25 Sensoren pro Person im Einsatz sein. Und bis 2025 werden gemäss Statista sogar ca. 80 Milliarden intelligente „Dinge“ im Internet of Things verbunden sein, Daten sammeln und nutzen. Daten, welche es z.B. mittels KI erlauben die Geschäftsprozesse und ganze Industrien in kürzester Zeit genauso anzupassen, wie es die heutigen und zukünftigen Kunden/User wollen – oder noch besser: wie sie es brauchen.

Ein gutes Beispiel dafür habe ich am MWC von Ryanairs John Hurley gehört. Was 2000 mit einer Website aus der Feder zweier 17-jährigen Studenten begann, konnte bald nicht mehr mit den vielen Userzugriffen und vor allem den ständig wachsenden Erwartungen der Nutzer mithalten. Deswegen hatte man 2014 eine neue App gelauncht, welche aber sehr schlechte Rückmeldungen erhielt. Warum? Unter anderem, weil die Bedürfnisse der Kunden nicht berücksichtigt wurden. Diese sich ständig ändernden Bedürfnisse herauszufinden und das Produkt daran anzupassen, gestaltete sich als grosse Herausforderung. Das „Always getting better“ Programm fokussierte darum stark auf einen agilen Approach – „don’t hate – iterate“ – und hatte den Launch einer neuen erfolgreichen Applikation zur Folge, welche auf einer soliden Basis von eigenen gesammelten Daten und Drittanbieterdaten basierte. John Hurley: „Use data, don’t just harvest it or get lost in it! Integrate your data with external data well.“

Wer sich nicht ändert, wird verändert

Digitale Transformation bringt, wie jede Veränderung, grosse Herausforderungen mit sich. Herausforderungen in der Gesellschaft, wie neue Arbeitsweisen, neue Berufe, neue Arten des Zusammenlebens. Aber auch Herausforderungen in der Wirtschaft, die mit den gesellschaftlichen Herausforderungen interagieren. Die Time-To-Market und die Bereitschaft und Fähigkeit zur Veränderung sind massgebliche Erfolgsfaktoren. Die Nutzung von entsprechenden Technologien und Vorgehensweisen sind eine logische Notwendigkeit aber auch die grösste Herausforderung. Diese Herausforderungen zu meistern ist kein leichtes Unterfangen. Das Change Management, wie auch das Product Development gleichen der Red Queen Hypothese: „Hierzulande musst du so schnell rennen, wie du kannst, wenn du am gleichen Fleck bleiben willst.“ Oder anders gesagt: Die Chance in einem stetig ändernden Umfeld zu überleben, hängt massgeblich davon ab, wie schnell man sich an die geänderten Bedingungen anpassen kann.

Eine agile Vorgehensweise scheint in diesem Fall also die Richtige zu sein. Oder? Allerdings zeigt der T&B, dass sowohl agile, wie auch traditionelle Projekte zu ca. 60% erfolgreich sind. Scheinbar gibt es einige Hindernisse, welche die Zufriedenheit mit der agilen Vorgehensweise hemmen. Vor allem die nicht angepasste Unternehmenskultur und nicht angepasste übergreifende Prozesse sind grosse Hürden. Eine agile Vorgehensweise ist also hilfreich, aber nur wenn auch die Kultur im Unternehmen angepasst wird und andere Hürden angegangen werden. Es ist nicht nur mit agiler Softwareentwicklung getan!

Um zu überleben ist es manchmal auch nötig, sich neu zu erfinden, wie ich es am MWC bspw. bei Nokia gesehen habe. Eine halbe Halle war von dem finnischen Anbieter in eine so genannte Smart City (eine Stadt die mit Hilfe von IoT z.B. die Verkehrsführung, Entsorgung, Sicherheit oder Telekommunikation vernetzt) verwandelt worden. Nachdem das finnische Unternehmen zunächst den Sprung zum Smartphone verpasst hatte, erlebt es nun eine Renaissance als Anbieter von IoT Lösungen und dem ambitionierten Ziel 4G auf dem Mond verfügbar zu machen!

In der Schweiz sind es zum Beispiel Konferenzen, wie re:formation die sich genau mit diesen Themen beschäftigen.

Technologie treibt Transformation treibt Technologie treibt Transformation…

Die Geschwindigkeit der Innovation und Änderung nimmt also zu. Ja, man könnte beinahe von einem technologischen Wettrüsten sprechen. Dabei wurde schon in den 50er Jahren erkannt, dass die technologische Entwicklung exponentiell steigt.

Dass wir uns schon nahe an der technologischen Singularität bewegen ist nicht ausgeschlossen. Artifizielle Intelligenz mit Zugriff auf beinahe unbegrenzte Daten mit immer schnelleren, mächtigeren Geräten und der immer grösseren Bereitschaft des Menschen mit KIs zu interagieren – bewusst oder unbewusst – lassen zumindest auf eine immer stärker werdende Zusammenarbeit von Mensch und Maschine schliessen. Zusammenarbeit entsteht aber erst, wenn Maschinen nicht mehr nur einfache Werkzeuge, sondern tatsächlich eigenständige, Entitäten mit eigener Intelligenz sind, die uns z.B. im Alltag eigenständig helfen können indem sie unsere Bedürfnisse antizipieren aus den gegebenen Daten. Die meisten der besonders innovativen vorgestellten Consumer-Produkte am MWC waren daher auch mit irgendeiner Art digitalem Assistenten – einer freundlichen KI, die einem im Alltag helfen soll ausgestattet. Sehr beeindruckt haben mich hier bspw. die Smartphones von Samsung und Huawei, welche mit dem Google Assistant und sogar einer Anbindung an Amazon Alexa das Smarte Haus steuern, Einkäufe erledigen und nicht mal so schlechte Witze erzählen konnten.

Technologische Sprünge und ihre breite Anwendung bedingen sich aber gegenseitig – die Machbarkeit muss gegeben sein, aber auch die Verbreitung, Finanzierung und Akzeptanz. IoT ist von schnellen, stabilen Netzen und Konnektivität abhängig, der 5G Standard soll hierbei der nächste Sprung sein. (Wer hier das Rennen macht – Korea? China? USA? Oder doch T-Mobile in Deutschland – ist unklar. Beanspruchen will den Sprung aber jeder für sich). Diese Technologien zu entwickeln, anzuwenden, zu betreiben und zu testen ist eine grosse Herausforderung – denn es werden ganz neue Möglichkeiten erschaffen.

SwissQ hat die Zeichen der Zeit erkannt und bietet neben Lösungen für Change, Agile und Transformation auch Digital Testing – ein Testingframework für das Zeitalter der Digitalisierung an.

T-Shaped Profile sind gefragt!

Für einen umfassenden Wandel sind neue Ideen, neue Denkweisen und neue Skills gefragt. Auch hier gilt: Wer stehenbleibt hat verloren. Allerdings reicht es heute nicht mehr einfach nur tiefes Spezialwissen auf einem einzigen Gebiet zu haben. Mit der immer stärkeren Verflechtung verschiedener Technologien und der nahen Zusammenarbeit, die stark auf Kommunikation setzt, ist es wichtig auch zu verstehen was ausserhalb des eigenen Rollenhorizontes passiert. Das so genannte T-Shaped-Profile wird dabei immer wichtiger. Tiefes Spezialwissen in den neuen Technologien und Anwendungsgebieten zum einen, zum anderen auch breites Wissen über die Grenze des eigenen Tellerrandes hinweg. Aus dem T&B kann man auch herauslesen, dass z.B. im Bereich Testing und gerade in DevOps die Testautomatisierungsskills immer wichtiger werden. Die Rolle des manuellen Testers wird es in Zukunft so nicht mehr geben. Auch am MWC war bei verschiedenen Talks immer wieder davon zu hören, dass vertiefte Kenntnisse in den neuen Technologien, z.B. im Thema Data Science sehr gefragt sind.

Die Welt von morgen heute mitgestalten

Die Welt verändert sich und wir haben die Wahl: Sind wir mittendrin oder nur dabei? Wollen wir sie als Gestalter mitformen oder uns von ihr in eine Form pressen lassen? Wer einer der Gestalter sein will, muss allerdings den Change zuerst in der eigenen Organisation vollziehen – mit neuen Technologien, Skills und nicht zuletzt einer gehörigen Portion Mut.

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