Agile Leadership: Sind „ITler“ die besseren Manager?


Natascha Krzemien, Agile Coach

Das Thema „Agile Leadership“ ist in aller Munde. Viele Unternehmen, nicht nur aus der IT-Branche, machen sich Gedanken darüber, wie sie auf die zunehmende Digitalisierung reagieren können. Einige von ihnen haben erkannt, dass die sich diese Änderungen nicht nur in den Prozessen der operativen Bereiche niederschlagen muss, sondern auch keinen Halt vor der Managementebene macht.

Doch Veränderungen machen immer auch Angst. Sie sind mit Umdenken und der Anpassung der eigenen Verhaltens- und Denkweisen verbunden. Heutige Manager entwickelten ihr Managementwissen und Verhalten grösstenteils noch unter anderen Bedingungen. Hierarchie, Mehrjahresplanungen und „Command and Control“ waren einige der gängigsten „Führungsinstrumente“. Nun sprechen die Menschen über Agilität, darüber dass man flexibel und anpassungsfähig sein muss. In den Softwareentwicklungsabteilungen wird Scrum oder Kanban praktiziert. Und auch auf Managementebene beginnt das Umdenken. Denn Scrum oder andere agile Methoden funktionieren nur eingeschränkt, wenn man sie lokal praktiziert und sich im Rest der Organisation nichts ändert.

Bei mir stellt sich nun die Frage, warum die aktuellen Bewegungen in der Organisationsentwicklung, wie „Agile Leadership“, Holakratie oder Management 3.0 ihren Ursprung in der IT, insbesondere in der Softwareentwicklung haben.

Ich habe hierzu einige Thesen:

  1. IT ist heute allgegenwärtig und in kaum einem Unternehmen wegzudenken. IT ist schnelllebig und gibt das Tempo im Unternehmen vor. Deshalb ist das der erste Ort, an dem man über effektivere und effizientere Strukturen nachdenkt. Agile Methoden und Herangehensweisen wie Scrum oder Kanban haben hier ihren Ursprung und sind weit verbreitet. Andere Bereiche und auch die Managementebene im Unternehmen müssen sich dieser Flexibilität anpassen, um geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Gesamt-Effizienz steigern. Ausserdem können die positiven Erfahrungen aus der Softwareentwicklung wie ein Leuchtturm wirken und zum Umdenken anregen.
  2. Die letzten grossen Bewegungen in der Organisationsentwicklung waren Lean und das Toyota Produktionssystem. Sie entwickelten sich aus der Massen-Produktion physischer Produkte, in einer Zeit, wo die Rahmenbedingungen schwierig waren und man „aus der Not heraus“ erkannte, dass man etwas ändern muss. Heute ist die IT der treibende Wirtschaftsfaktor und die Digitale Disruption möglicherweise die „Not“?
  3. Softwareentwicklung muss in sich Struktur haben, dennoch aber auch flexibel und anpassbar sein, um mit der Komplexität und Unvorhersehbarkeit, die in diesem Bereich vorherrscht, umgehen zu können. Diese Flexibilität, aber auch Wartbarkeit und Anpassungsfähigkeit gilt nicht nur für den Entwicklungsprozess, sondern auch für den Aufbau des zu entwickelnden Produkts selbst. Möglicherweise entwickelt sich Organisationstruktur auch aus der tieferen Struktur des Aufbaus von Softwareprodukten?
  4. Darüber hinaus kann man sich aber auch die Frage stellen, ob IT-Experten möglicherweise die besseren Manager sind. Das ist eine gewagte These, ich bin dennoch der Meinung, dass sich ein Nachdenken darüber lohnt: Struktur, aber auch die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren, sind in der Arbeitsweise eines Softwareentwicklers verankert. Ein entscheidender Fehler in einem Softwareprodukt kann schwere Folgen haben, weshalb agile Methoden sehr stark auf Qualität setzen.

Im Vergleich zu Bauwesen, Produktion von physischen Produkten ist die Softwareentwicklung als Wissenschaft noch jung, sie befindet sich eigentlich noch in den „Kinderschuhen“. Menschen, die sich in diesem Bereich verwirklichen, lernen früh, sich diesen Gegebenheiten anzupassen, aber auch die Weiterentwicklung mitzugestalten. Hierarchien sind hier noch recht flach, Innovation ist elementar. Kreativität, aber auch Nachhaltigkeit sind essentiell. Kollaboration im Team statt „Command and Control“ herrschen vor. Auf diesem Nährboden entwickelt sich möglicherweise ein neuer Typ von „Manager“, der die Fähigkeit besitzt, sich den heutigen Gegebenheiten, die der Markt vorgibt, besser anpassen zu können.

Ich halte diese Fragestellung für spannend und beobachte die Bewegung sicher weiter. Vielleicht finde ich dann die Antwort, welche These der Wirklichkeit entspricht. Vielleicht aber auch nicht.

Oder es steckt überall ein „Funke“ Wahrheit drin? Nutzen Sie die Gelegenheit und tauschen sich dazu mit Ihren Kollegen am Agile Leadership Day aus.

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