SAFe goes Business Agility – Was ist neu im Scaled Agile Framework 5.0?


Björn Schuster, Senior Consultant

Im Januar 2020 ist es soweit. Eine neue Version des Scaled Agile Framework (SAFe) erscheint – 5.0

Was ist an der neuen Version anders, was hat sich weiterentwickelt, müssen wir alle etwas neues Lernen und war alles was wir in den vorherigen Versionen gelernt und erreicht haben umsonst?

Neu ist sicherlich der Fokus auf Business Agility. Damit schliesst sich Scaledagile der Erfahrung anderer an, dass es nicht reicht Inseln in einem Unternehmen zu «agilisieren» (wie beispielsweise die IT). Es muss die gesamte Wertschöpfungskette (fachliche Wertschöpfung die durch einen oder mehrere Agile Release Trains (ART) ermöglicht wird) inklusive der Unterstützungsprozesse und -funktionen angepasst werden um die Vorteile schnellerer Reaktionszeiten und Kundenfokus zu erzielen. Zu diesem Zweck möchte SAFe ein neues Betriebssystem für die Organisation darstellen, dass die Verknüpfung der traditionellen Aufbauorganisation mit der für Kundenzentriertheit und Kundenfokus nötigen „unternehmerischen Organisation“ herstellt.

SAFe schlägt dazu auch vor, dass die bisherigen «Agile Teams» nicht mehr nur in der Wertschöpfungskette zu finden sind, sondern generell auch «Business Teams» agil arbeiten sollen, damit auch diese ihre Fähigkeiten in die Wertschöpfungskette einbringen können.

Die mit SAFe 4.6 eingeführten Core Competencies wurden im Hinblick auf die Business Agility erweitert um die Core Competencies Continuous Learning Culture und Organizational Agility. Die meisten anderen Core Competencies wurden erweitert und ergänzt.

Hinter der Core Competence Continuous Learning steckt die Idee von Werten und Praktiken, damit Mitarbeiter – aber auch die Firma als Ganzes – kontinuierlich dabei ist zu lernen und ihre Fähigkeiten zu verbessern und anzupassen. Dies ist wichtig, da heute die Marktsituation vieler Unternehmen sich rasanter als früher verändert. Um darauf reagieren zu können reichen die meisten traditionellen Weiterentwicklungsansätze von Mitarbeitern und Firmen bei weitem nicht aus.

Hinter der Core Competence Organizational Agility steht die Idee, dass jeder einzelne Mitarbeiter ein Lean-Agile Mitarbeiter werden muss, der selber aktiv daran beteiligt ist, die Firma voranzubringen. Dabei geht der Fokus bewusst immer weiter weg von der reinen IT – oder Produktentwicklung – hin zu wesentlich mehr Bereichen der Unternehmung. Das Ziel: wesentlich schneller auf die Gegebenheiten des Marktes eingehen können und die gesamte Firma innert kürzester Zeit auf eine neue Strategie ausrichten zu können.

SAFe 5.0 legt einen gesteigerten Wert auf die Einbindung der Kunden und die Produkt-Innovation und verweist hierbei auf Design Thinking, das es als kundenzentrierten Produktentwicklungsprozess in die Wertschöpfungskette integriert. Design Thinking war auch in vorherigen Versionen von SAFe bereits vorhanden, führte aber eher ein Schattendasein. Es erhält in SAFe 5.0 aber eine prominente Rolle für die Produkt-Innovation.

Was SAFe bisher nur implizit vorgegeben hatte ist die Produktorientierung. In SAFe 5.0 gibt es den expliziten Wechsel weg von Projektdurchführung hin zu einer Produktentwicklung. Somit ist es nicht mehr im Sinne von SAFe, wenn man SAFe als Projektvorgehen verwendet anstatt einem Vorgehen für die Produktentwicklung.

Im Detail wurden auch wesentlich mehr Punkte angepasst und werden auch noch angepasst bis die finale Version 5.0 im Januar 2020 erscheint. Spannend finde ich persönlich vor allem die Punkte, die auf die kulturbedingten Themen verweisen und dass diese nun als so wichtig erachtet werden, dass sie auf das „Big-Picture“ des SAFe Frameworks aufgenommen wurden (in Form der Competency „Continuous Learning Culture“). Damit macht SAFe quasi offiziell, was viele Agile Coaches bereits in der täglichen praktischen Erfahrung bei der Arbeit mit agilen Teams und deren organisatorischen Kontexts erleben.

Was müssen wir nun tun? Es hat sich nicht alles geändert. Wer bereits gut mit vorherigen SAFe Setups unterwegs ist, und diesen Setup auf die ganze Organisation ausdehnen möchte kann einen Blick in SAFe 5.0 werfen. Zertifizierungen müssen, wie immer verlängert und bei Bedarf auf die Version 5.0 mittels „Upgrade-Prüfung“ angehoben werden.

Was bleibt ist das Sprichwort «Machen ist wie Wollen – nur krasser»; dies galt und gilt weiterhin für SAFe, Agile und alle Dinge.

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