Muss ich Lego spielen, um innovativ zu sein? – Ein Design Thinking Erfahrungsbericht


Ivan Aloisio, Senior Consultant

Mein erstes Mal Design Thinking

Ich war sehr skeptisch vor meinem ersten Design Thinking Workshop! Diese Methode kannte ich bislang nur vom Hörensagen. Sie solle Kreativität fördern und der Schlüssel zu wahrer Innovation sein. „Werden komplexe Probleme nicht besser systematisch angegangen? Lego wird doch nur verwendet, weil es hip ist!“, dachte ich.

Wie funktioniert Design Thinking?

Das Rezept von Design Thinking ist einfach: Man nehme ein multidisziplinäres Team, einen unkonventionellen Raum, viel Schreibzeug, Bastelmaterial, Lego und Hintergrundmusik. Das Team bearbeitet iterativ die Phasen Problemanalyse, Lösungsfindung und Prototyping. Das Besondere ist, dass für jede Iteration möglichst viele verschiedene Arbeitstechniken und –materialien wie Whiteboard, Flipchart, Papierrolle, Lego und Collagen verwendet werden.  Auf diese Weise sollen neue, innovative Ideen entstehen.

Der Tag X

Es war soweit, ich sass gespannt im Workshop. Die Aufgabe war, eine Lösung für Energie-Startups zu finden, damit sie sich besser vernetzen und Synergien nutzen können. Die Gruppe war stark gemischt. Die Teilnehmenden stammten aus verschiedenen Unternehmen. Vom Innovation Manager, bis zum CEO war alles dabei und fand sich in drei 4er-Gruppen zusammen.

Der Raum war in drei ganz unterschiedliche Arbeitszonen und einen Treffpunkt unterteilt. Nach jeder Iteration gab es einen Turnus. Zone 1 war mit einer langen Papierrolle, auf der geschrieben werden konnte, bestückt. Zone 2 wurde von zwei riesigen Whiteboards dominiert. Und in Zone drei standen uns mehrere Flipcharts zur Verfügung und sie war zusätzlich mit Musik berieselt. Überall lagen Post-its, Stifte und Lego bereit. Ich wunderte mich: „Muss ich mit dem Lego spielen!?“.

Achtung, fertig, los…

Design ThinkingDamit die Teams möglichst schnell performten, wurde als Warmup ein Team-Wettbewerb gestartet. Die Aufgabe war, in zehn Minuten den höchsten Turm nur aus Ballonen und Klebestreifen zu bauen.

Danach gingen wir, mit Post-it und Schreibmaterial bewaffnet, die drei Iterationen durch.

  • Iteration 1: Stakeholderanalyse
  • Iteration 2: Ideenfindung
  • Iteration 3: Prototypen erstellen

Jede Iteration war moderiert und wir suchten mit time-boxed Brainstormings Antworten auf die vom Moderator gegebenen Fragen.

Am Ende des Tages hatte jede Gruppe einen Prototypen und einen Lösungsvorschlag entwickelt und pitchte diese vor dem Plenum.

Auf diese Idee wäre ich alleine nie gekommen!

Kennst du das Problem? Du suchst nach Ideen und es will dir einfach nichts einfallen? Und am nächsten Tag ist es auch nicht besser. Deine Gedanken sind in einer Sackgasse aus der du selber nicht mehr herauskommst. Wenn du jemandem davon erzählst, kommst du vielleicht einen Schritt weiter, aber du bist weder effizient noch kreativ.

Im Team – insbesondere im multidisziplinären – ist das anders. Jeder hat einen anderen Background und gibt ganz unterschiedliche Inputs. Ich dachte während dem Workshop mehrmals: „Wow! Auf diese Idee wäre ich alleine nie gekommen!“ oder „Ja genau und Folgendes und jenes auch noch!“ Das Tolle ist, jeder Input dient als Samen für neue Inputs der anderen Teammitglieder. Das heisst, man potenziert gegenseitig die Ideenfindung. Genau das führt letztendlich zu wahrer Innovation. Und ja, es hat mich überzeugt! Das Bild spricht für sich. Es zeigt die Fülle an Ideen, die in kürzester Zeit generiert wurden!

Design Thinking

Der Flow mit dem Lego!

Ganz ehrlich, ich dachte zuerst einen Prototypen mit Lego zu bauen, bringe nichts. Es werde vielleicht gar nur gemacht, um den Kurs aufzuwerten. In der 3. Iteration sollten wir mit Lego und Collagen einen Prototypen erstellen. „Jetzt einfach mitmachen.“, dachte ich und fing an, eine unserer Ideen in Lego darzustellen. Was danach passierte, überraschte mich selber und übertraf alle meine Erwartungen deutlich. Es machte Spass! Jeder im Team half mit zu bauen, wir waren sehr kreativ, das Bauwerk wuchs stetig und die Zeit  verfloss im Nu… spätestens jetzt waren wir im Flow. Gleichzeitig machten wir aus  Zeitungsauschnitten eine Collage. Wieder klebte und bastelte jeder im Team mit und jeder Input wurde weitergestrickt. Das Resultat war ein extrem kreativer Prototyp, auf dessen Idee – das ist jetzt wichtig – am Anfang niemand auch nur annähernd gekommen wäre.

Design Thinking

Würde ich es weiterempfehlen?

Es kommt drauf an. Bist du ein Business Analyst, Requirements Engineer, UX Experte oder Product Owner? Brauchst eine kreative und effiziente Methode, um neue Business Pläne zu entwickeln, neue Anforderungen oder Lösungen zu finden? Dann ja!

Warum? Es ist unglaublich einfach und effizient. Es braucht nur ein multidisziplinäres Team, einen Moderator und sehr viel Schreib- und Bastelmaterial. Wichtig dabei ist, die kreativen Techniken anzuwenden und den Flow oder sogenannten „Point of no return“ zu erreichen. So werden komplexe Probleme fassbar, es entstehen verblüffende Ideen oder Lösungen und es macht Spass. Ich persönlich will jetzt öfter Lego spielen, damit ich innovativ bin!

Wollen Sie erlernen wie man einen Design Thinking Workshop vorbereitet und durchführt? SwissQ zeigt Ihnen wie: Design Thinking Einführung mit Gestaltung eines Workshops.

(Bilder: Charlotte Vogelsinger)

Weitere Blog lesen

0 thoughts on “Muss ich Lego spielen, um innovativ zu sein? – Ein Design Thinking Erfahrungsbericht”


Schreibe einen Kommentar