Gilde oder Zunft: Erfolgreiche Organisationsform oder nur neue Buzzwords?


Beat Bourquin, Consultant in Business Analyse / Requirements Engineering

Ist die Gilde als Organisationsform ernst zu nehmen? Wie hilft dieser Zusammenschluss von Gleichgesinnten? Und wie kann die Rolle des Gilden-Leads den Erfolg unterstützen?

Vornweg: Ich habe die Aufgabe des RE Gilden-Leads bei meinem aktuellen Kunden übernommen und würde sie mit gutem Gewissen wieder annehmen. Diese RE-Gilde weist Resultate auf, die sich sehen lassen können! Ausserdem bin ich von dieser Organisationsform überzeugt und sehr zufrieden mit dem Start und der bisherigen Entwicklung der Gilde. Geholfen haben mir in dieser Rolle vor allem meine langjährige Erfahrung als RE, diverse Kurse der SwissQ Academy und die Erkenntnisse aus der Einführung des Zunftsystems bei der SwissQ – Geburtsschmerzen inklusive.

Wozu wurden Gilden eingeführt?

Da die fachliche Organisation in eine Projektorganisation überführt wurde, sollte ein Gefäss entstehen in dem der fachliche Austausch und die Weiterentwicklung des Fachs über Projektgrenzen gepflegt werden kann. Dabei bestimmen die Gildenmitgleider selber, welchen Inhalten sie sich widmen wollen, sind aber auch für deren Auswahl und Resultate verantwortlich.

Was hat mich zur Übernahme des RE Gilden-Leads bewogen?

Da sich keine internen Mitarbeiter für den RE-Gilden-Lead beworben haben, wurde ich Anfang dieses Jahres angefragt, ob ich diese Aufgabe übernehmen würde, obwohl dies eigentlich nicht für Externe vorgesehen war.

Da ich die Veränderung beim Kunden gerne mittragen wollte, musste ich vor meiner Zusage nicht lange überlegen, zumal diese Aufgabe zu meinem Einsatz passte. Neben meinen offiziellen Rollen als Requirements Engineer und Requirements Manager sollte ich auch das gewünschte Zusammenrücken innerhalb der Business Unit vorantreiben. Ich ging diese Veränderung nach dem Motto „Changing by Doing“ an. Als Gilden-Lead konnte ich den projektübergreifenden Austausch zwischen den verschiedenen Gilde-Mitgliedern anregen und steuern. Wer sich kennt, arbeitet bekanntlich automatisch besser zusammen und was gibt es Besseres, als sich mit gemeinsam gesteckten Zielen kennen zu lernen?

Als SwissQ Mitarbeiter bin ich es gewohnt, mich mit neuen Themen zu befassen und ganz natürlich Wissen an den Kunden weiterzugeben. Die Gilde eignet sich hervorragend, um darin den Mitarbeitenden des Kunden aktuelle Themen, wie z.B. Selbstorganisation, vorzuleben.

Neben dem Ziel Mitarbeitende zu fördern, lassen sich die offiziellen Ziele der Business Unit wie folgt zusammenfassen:

    • Handwerk fördern
    • Innovation
    • Recruiting

Diese Ziele und zusätzlich meine Überzeugung, dass Gilden eine gute Möglichkeit sind für

    • Weiterentwicklung von Methoden und Mitarbeitenden,
    • vom Upfront-Engineering zum Upfront-Thinking,
    • über die Projektgrenzen hinweg gemeinsames Verständnis und Sichtweisen zu Lösungen/Synergien etablieren,

haben mich dazu bewogen den Gilden-Lead zu übernehmen.

Gilden-Lead, was ist das?

Bei meinen Kunden existierten die Gilden erst auf dem Papier. Die Organisation war gerade dabei, von der fachlichen Organisation zur Projektorganisation überführt zu werden. Als erstes galt es, die Gilden als Gefäss für die fachlichen Themen aufzubauen und die Existenz der Gilden für die Zukunft zu legitimieren. Daher war ich als Gilden-Lead zu Beginn vor allem Organisator von Meetings zum Aufbau und Organisation der Gilde.

Meine Ziele während des Gilden-Aufbaus:

    • Vertrauen schaffen
    • Selbstorganisation anstossen

Zum einen war es für die Gilden-Mitglieder wichtig, Vertrauen in eine neue Arbeitsweise zu fassen und zum anderen musste diese Neuerung erstmals konkretisiert und erlebt werden.

Zudem fallen auch bei der Selbstorganisation die Meister nicht einfach vom Himmel, sondern entwickeln sich Schritt für Schritt. Mit dem Start der Gilde konnte Selbstorganisation ausprobiert und aus dem Gelernten weitere Schritte unternommen werden.

Mit den Erfahrungen beim Aufbau der SwissQ-Zünfte, konnte ich auch bei kritischen Fragen Zuversicht ausstrahlen. Natürlich finden sich bei derartigen Veränderungen immer tausend Gründe, wieso etwas scheitern kann. Wenn man es aber Stück für Stück anpackt, kommt es doch meistens besser als befürchtet.

So war es für mich sehr spannend zu sehen, wie die Gruppe zusammengewachsen ist. Mittlerweile betätigen sich alle Gildenmitglieder in den Arbeitsgruppen und tragen so auch zu den Erfolgen bei.

Auch meine Rolle des Gilden-Leads hat sich nun verändert. Manchmal unterstütze ich die Gildenmitglieder als Joker bei Arbeiten oder kommuniziere die Erfolge „meiner“ RE-Gilde den anderen Gilden und dem Management.

Was bleibt zu tun?

Generell ist die Startphase erfolgreich abgeschlossen. Nun gilt es den „Normalbetrieb“ zu etablieren. Dabei halten wir uns stets das Ziel vor Augen, die Gilde weiterzuentwickeln. Denn es ist nach wie vor sehr wichtig für die Gilde, das Ausprobieren von Neuem beizubehalten und die Gildenrituale weiter zu entwickeln.

Bei einer gefestigten Gildenstruktur, kann als nächstes überlegt werden, ob man geeignete Themen des Daily Business mit Mitgliedern einer anderen Gilde bearbeiten möchte und so auch dort ein Zusammenrücken erreicht.

Es gibt also noch einiges zu tun. Daher werde ich auch bei der Verlängerung meines Vertrags wieder zur Übernahme des Gilden-Leads „Ja!“ sagen, um die Gilde weiter in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

Welche meiner Skills waren hilfreich?

  • Agile RE
  • Visual Facilitation
  • Erfahrungen aus dem Zunftsystem der SwissQ
  • Workshop Moderation
  • BA /RE Erfahrung

 

Was kann ich angehenden Gilden-Leads oder Zunftmeistern empfehlen?

Generell kann man auf ein agiles Mindset aufbauen und die agilen Methoden adaptieren. Zudem helfen die Erfahrungen und Skills des klassischen RE resp. BA. Die SwissQ-Academy bietet dazu die folgenden Kurse an:

 

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