Digitalisierung sucht Unternehmenskultur


Patrick Bucheli,

 

Wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat, haben unterschiedliche Epochen verschiedene Unternehmenskulturen mit sich gebracht. So war während der Industrialisierung der „Taylorismus“ ein grosses Thema, gefolgt von der Human-Relations Bewegung. Heute sprechen alle von der Digitalisierung und auch die hat Einfluss auf die Unternehmenskultur.
Was Kultur in einem Unternehmen ausmacht und warum die Digitalisierung Einfluss auf die Unternehmenskultur hat, dazu komme ich gleich. Zuerst tun wir uns gut daran, zu verstehen, was Kultur bedeutet und wie sie sich zusammensetzt.

Unternehmenskultur auf drei Ebenen

Die Unternehmenskultur wird basierend auf den Unternehmenswerten aufgebaut, beeinflusst allerdings Organisationsstrukturen, Prozesse, die Kommunikation aber auch das Arbeitsklima unter den Mitarbeitenden. Die Kultur beinhaltet allerdings weitaus mehr als nur die Werte einer Organisation. Vielmehr sind es drei Ebenen auf denen die Unternehmenskultur definiert wird, die Artefakten Ebene, die Ebene der deklarierten Werte und die der Grundannahmen (Modell von Edgar Schein).

  • Das Fundament 
    Die Grundannahmen sind das Fundament im Modell von Edgar Schein. Sie stellen das Orientierungs- & Verhaltensmuster der Mitarbeitenden dar, welche die Wahrnehmung und Handlungen in einer Kultur massgeblich beeinflussen. Diese Grundannahmen können auch als Weltanschauung verstanden, welche jeder Mitarbeitende individuell mit ins Unternehmen bringt. Wurde mir als Kind beigebracht respektvoll mit den Mitmenschen umzugehen, ist dies zum Beispiel eine Grundannahme welche unbewusst ins Unternehmen getragen wird.
  • Deklarierte Werte und Normen
    Die zweite und mittlere Ebene des Modells steht für die Unternehmenswerte und Unternehmensnormen welche helfen einen Verhaltensstandard im Unternehmen zu etablieren. Festgehalten sind sie meistens in Mitarbeiterregelungen, welche von allen Mitarbeitenden des Unternehmens angenommen, miteinander geteilt und entsprechend gelebt werden.
  • Artefakte
    Die dritte Ebene setzt sich aus Artefakten und Verhaltensmustern zusammen und stellt das Resultat von den deklarierten Werten und Normen dar. Dazu gehören unter anderem die verwendete Technologie, Dress-Code, Höflichkeitsformen, das Kommunikationsverhalten aber auch Unternehmensstrukturen und Layout des Büros. Sie machen die Kultur im Unternehmen sichtbar und somit greifbar.

Obwohl die Werte in der Unternehmenskultur eine zentrale Rolle spielen, sind sie nur dann wertvoll, wenn sie auch in den Artefakten ersichtlich und in den Grundannahmen vertreten sind. Zudem müssen sie mit den strategischen Zielen in Einklang sein. Denn ansonsten passiert genau das, was Peter Drucker sagte und die Unternehmenskultur verspeist die Strategie zum Frühstück.

Um dies zu umgehen, müssen die Werte einerseits mit Bedacht gewählt sein und andererseits muss man sich bewusst sein, dass nicht nur Änderungen bei den Werten sondern auch durch Zuwachs von neuem Personal oder Einführung von neuen Technologien ein Kulturwandel stattfindet, welche mit den Unternehmenswerten und der Strategie in Einklang stehen muss.

Kultur im Zeitalter der Digitalisierung

Um als Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung mit dem technischen Fortschritt mithalten zu können, ist es von zentraler Bedeutung die „Time to Market“ so kurz wie möglich zu halten und flexibel zu bleiben um allfällige Änderungen, Kundenfeedbacks und neue Erkenntnisse in das Produkt mit einzubeziehen.
Um dies bewerkstelligen zu können, bedarf es Anpassungen, welche wiederum Einfluss auf die Unternehmenskultur haben. Diese meist angepassten Artefakte (wenn wir beim Modell von Schein bleiben) bedürfen auch einer Anpassung der Unternehmenswerte oder zumindest derer Neuinterpretation. Werte können immer unterschiedlich gelebt und interpretiert werden.

Wer also auch in einer digitalisierten Welt wirtschaftlich bestehen will, braucht neben einer raschen Time to Market und Agilität auch eine Kultur, welche die Loyalität ihrer Mitarbeitenden steigert in dem:

  • Mitarbeitende Freiräume erhalten
  • Entscheidungswege kurz sind
  • Prozesse effizient gestaltet sind
  • Fehler toleriert & Lernen gefördert wird
  • Kommunikation transparent ist
  • Fortschritte für das ganze Unternehmen transparent gemacht werden

Denn vergessen wir nicht: Mitarbeiter sind loyal gegenüber der sichtbaren Ebene der Kultur eines Unternehmens und nur in den seltensten Fällen gegenüber der Strategie. Die Überlegung, welche Werte das Unternehmen vertreten soll ist daher weniger wichtig, als wie die Kultur gelebt wird. Denn erst das ergibt Loyalität und Motivation, die in einer digitalisierten Wirtschaft benötigt werden, um auch die Time to Market & notwendige Agilität sicherzustellen.

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