Dank guter UX zur ganzheitlichen Lösung für den Benutzer


Adrian Widmer, Consultant Professional

Jedes interdisziplinäre Produktteam kann durch gute User Experience (UX) eine ganzheitliche Lösung für den Benutzer schaffen. Wie vermag das Produktteam ein gutes Nutzererlebnis für den Benutzer zu erzeugen und wie organisiert es sich als fachübergreifendes Team? Im Verlauf dieses Blogbeitrages erfahren Sie, was eine gute User Experience ausmacht und wie jedes Produktteam eine holistische Vorgehensweise verfolgen kann.

Meine Erfahrungen der letzten sieben Jahre zeigen, dass es in verschiedensten Bereichen vom Handel über das Gesundheitswesen bis hin zur Finanzbranche nicht mehr ausreicht, bestenfalls lauffähige Produkte zu entwickeln und sich auf das Ausliefern möglichst vieler Features zu beschränken. Insbesondere bei den Applikationen für Smartphones liegt die Messlatte bezüglich Nutzererlebnis enorm hoch, wird diese wesentlich durch grosse Mitstreiter wie Spotify, Uber und andere Vorreiter aus dem Silicon Valley angesetzt.

Vielfach wird eine externe UX-Agentur beauftragt, die UX eines Produktes zu optimieren. Doch ein gutes Nutzererlebnis muss durch das ganze Produktteam wahrgenommen und gelebt werden, denn gute UX besteht nicht nur aus einem schönen Design an der Oberfläche und einer akzeptablen Benutzbarkeit – Das ist nur die Spitze des Eisbergs.

User Experience von Product Discovery und Product Design

Verantwortungsbewusstsein schaffen

In Übereinstimmung mit dem Scrum Guide™ sollen funktionsübergreifende Teams über alle Kompetenzen und Skills verfügen, die zur Entwicklung von Produktinkrementen erforderlich sind, ohne von anderen ausserhalb des Teams abhängig zu sein. Folglich liegt die Verantwortung für eine gute UX beim Produktteam oder bei den in Komponenten aufgeteilte Delivery Teams. Die UX Elemente und deren untergeordneten UX Resultate in Abbildung 1müssen durch die Kompetenzen und Skills der Produktteam-Mitglieder abgedeckt werden. Damit ein Verantwortungsbewusstsein im gesamten Produktteam geschaffen werden kann, sollen die erarbeitete UX Resultate transparent dokumentiert, durch alle Teammitgliedern interpretiert und als Grundlage für Entscheidungen in der Entwicklung verwendet werden. So können die UX Resultate auch als optimale Entscheidungsgrundlagen bei der Evaluation mit den Kunden dienen.

Design- und Entwicklungsprozess vereinen

Als erstes muss der Nutzungskontext verstanden, spezifiziert und die Anforderungen erhoben werden. Das Produktteam muss gemeinsam mit den notwendigen Stakeholder Annahmen zu den zu lösenden Kundenproblemen erarbeiten. Hierzu eignet sich ein Brainstorming mit anschliessendem Formulieren von Hypothesen. Diese Vorgehensweise fokussiert sich auf Resultate (Was wollen wir erreichen) statt auf Ergebnisse (Welche Feature wollen wir liefern). Dokumente lösen keine Kundenprobleme – gute Produktinkremente schon! Das Produktteam muss den Fokus darauflegen, welche Lösungen die größte Auswirkung auf die Probleme des Kunden haben. Die Lieferobjekte (Prototyp, Visual Design o.ä.), die das Team für die Validierung auf dem Weg zur Umsetzung verwendet, sind sekundär. Das Wichtigste ist die Qualität des Produktinkrements am Ende der Iteration, welche durch die Benutzer validiert wird.

User Experience_Wandel des Designprozesses

Oft beginnt der Designprozess mit der Idee für ein Feature, welches häufig im Nachhinein gerechtfertigt werden muss. Ein Feature sollte vielmehr das Produktinkrement einer oder mehrerer validierter Hypothesen sein.
Damit Hypothesen optimal validiert werden können, sollten diese aus den Annahmen abgeleitet und mit einer Satzschablone definiert werden.

  • We believe that [doing this/building this feature/creating this experience] for [these people/personas] will achieve [this outcome].
  • We will know this is true when we see [this market feedback, quantitative measure, or qualitative insight].

Die Design-Lösung muss den erhobenen Anforderungen gerecht und dagegen validiert werden. Das Stichwort hierzu ist Collaborative Design. Das Design muss im Produktteam gemeinsam erarbeitet werden. Dadurch wird sichergestellt, dass ein gemeinsames Verständnis bezüglich Designprobleme und Designlösungen vorherrscht und die Kommunikation im Team gefördert wird. Das Produktteam erlangt eine gesamthafte Product-Ownership inklusive Design und kann Produktinkremente selbtsorganisiert und ohne Abhängigkeiten releasen.

Damit ein Collaborative Design im Produktteam erarbeitet werden kann, müssen die Kompetenzen für die nachfolgenden Methoden vorhanden sein. Wie sich das Team diesbezüglich organisiert, spielt eine untergeordnete Rolle und kann – muss aber nicht – durch einen teaminternen UX-Designer angeleitet werden.

  • Benutzergruppenprofile
  • Aufgabenmodelle
  • Ist-Szenarien
  • Personas
  • User Journey Maps
  • Nutzungsanforderungen
  • Nutzungsszenarien
  • Storyboards
  • Informationsarchitektur und Navigationsstruktur
  • Style Guide
  • Wireframes
  • Low-Fidelity Prototypen und/oder High-Fidelity Prototypen

Das Ziel dabei ist, die erarbeiteten Hypothesen für den nötigen Reifegrad als Resultat zu erarbeiten, damit diese mit Benutzern validiert werden können. Für die Validierung eignen sich:

  • Usability Test
  • Remote Usability Test
  • Usability-Inspektion
  • Heuristische Evaluierung
  • Benutzerbefragung / Fokusgruppe

Decken sich Ihre Erfahrungen mit diesem Beitrag oder haben Sie einen ganz anderen Ansatz gewählt, eine nutzerzentrierte Lösung für den Benutzer zu schaffen? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare und Anmerkungen.

Sind Sie noch unsicher oder haben bemerkt, dass die Skills bei Ihren Teams nicht oder nur Teils vorhanden sind?
Gerne kommen wir vorbei und erarbeiten für Sie ideale Lösungen.

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