Requirements akademisch betrachtet


Adrian Zwingli, CEO

Die Welt der Akademiker und jene der Praktiker liegen oft weit voneinander entfernt. Doch macht es Sinn, diese zu verbinden und mehr voneinander zu lernen. Als zukünftiger Industry Chair der REFSQ 2015, eine der wichtigsten akademischen Konferenzen im Bereich Requirements Engineering durfte ich in der Woche vom 8. – 10. April 2014 bereits die diesjährige Edition miterleben – und bin positiv überrascht.

Es gibt ein gutes altes Sprichwort: “In der Theorie gibt es keinen Unterschied zwischen der theoretischen Welt und die der Praktiker. Aus Praxissicht jedoch schon.”

Beide Welten haben ihre eigene Sprache, Kultur und Denkweise. Sie kreuzen sich nicht oft, und wenn, dann nicht wirklich gerne. Aufgrund unserer Konferenzerfahrung kennt SwissQ nur zu gut, was es bedeutet, die beiden zusammen zu bringen. Aber wir durften auch schon den Wert erleben, wenn es funktioniert hat. Entsprechend habe ich mich sehr gefreut, als ich von Dr. Samuel Fricker vom Bleeking Institute of Technology in Schweden angefragt wurde, ob ich nicht Industry Chair der REFSQ 2015 werden wolle.

Die Struktur

Nun habe ich bereits der Ausgabe 2014 als Teilnehmer beigewohnt, bei welcher übrigens bereits das 20jährige Jubiläum der Konferenz gefeiert wurde. Während vier Tagen trafen sich Akademiker aus der ganzen Welt und stellten die neuesten Forschungsergebnisse vor, diskutierten über die nächsten Schritte und wohin die Reise des RE’s gehen soll. Eingebettet in die Konferenz fand am Mittwoch der Industry Day statt. Vertreter aus der Industrie berichteten über ihre Erfahrungen und Ansätze, und sorgten so für einen guten Austausch.

Die etwas andere Welt

Wer noch nie an einer akademischen Konferenz war, kann es sich kaum vorstellen. Hier werden Vorgehen und Resultate hinterfragt, gelobt und verteidigt. Nach 20 Minuten Präsentation findet in gleicher Zeit die öffentliche Diskussion statt. Welche übrigens gleich, wenn nicht noch fast nahrhafter als das Referat selbst war. Auch wenn man teilweise das Gefühl bekommen hat, dass hier eine strenge Hierarchie vorhanden ist und auch entsprechend den „höher stehenden“ mehr Fragezeit eingeräumt wurde. Die fachliche Tiefe ist übrigens hervorragend, auch wenn sich der Praktiker hie und da fragt, ob das Thema wirklich relevant, respektive in der „realen“ Welt einsetzbar sei.

Das Dinner

Das Highlight, so hörte ich schon vorab, ist das Gala-Dinner am Mittwochabend. Nach einer interessanten Führung durch die Philharmonie in Essen, durften wir uns einem herrlichen Nachtessen und feinem Wein widmen. Wer jetzt denkt, der Abend sei nach dem Essen vorbei, der liegt falsch. Nach 22.00 Uhr taut hier auch der introvertierteste Akademiker auf und rockt die Tanzfläche. Während der Tanzstil nicht gerade allen erhaben ist, scheint der Fun-Faktor umso grösser zu ein. Irgendwie scheinen die Hierarchiestufen von Professor zu PHD Kandidat zu Doktorand nicht mehr zu existieren. Oder wie es ein anderer Teilnehmer aus der Industrie ausgedrückt hat: „Wann erhälst du schon die Gelegenheit, mit bekannten Personen wie Martin Glinz, Klaus Pohl, Chris Rupp, Jörg Dörr etc. die Puppen tanzen zu lassen?“ Die Bilder als Beweis lassen wir vorsorglich mal weg.

Der Industry Track

Die Industry Tack Chairs Martin Glinz und Erik Kamstiel haben ein tolles Programm zusammengestellt. Es ist ja nicht gerade einfach, Personen aus der Praxis an eine akademische Konferenz zu bringen aber hier wurde ganze Arbeit geleistet. Mit Teilnehmenden von Intel, Rolls Royce und Tecan waren diverse bekannte Unternehmen vor Ort. Für viele Akademiker waren dann die Erfahrungsberichte allerdings erschreckend; Budget, Termindruck, organisatorische Fragen, fehlende Skills etc. scheinen ihren Tribut zu fordern. Was in der Theorie so einfach erscheint, ist nun doch sehr komplex. Doch genau dies ist ein Ziel des Austausches: Vermitteln mit welchen Problemen die Praxis zu kämpfen hat, und wo der Bedarf der Forschung liegt.

Die fachlichen Highlights

Aufgrund der parallelen Tracks konnte ich leider nicht alle Referate und Workshops besuchen. Doch hier meine persönlichen Highlights:

  • Intel Keynote
  • Safety und traceability
  • Business Value Alignment

Planung 2015

Die Arbeiten am Programm starten in Kürze. Wir planen auch eine Schweizer Delegation nach Essen zu entsenden. Wer also mitkommen oder gar ein Referat beisteuern möchte, der kann sich gerne bei mir melden. Es wird sicher wieder spannend.

Fazit

Die Brücke zwischen Academia und Praktiker war an dieser Konferenz relativ einfach zu schlagen. Die fachliche Tiefe war hervorragend und die Personen sehr offen. Ehrlich gesagt, ich habe selten so viel in solch kurzer Zeit gelernt. Gerne wieder.

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